Beiträge von Kamilleroboter

Auch dieses Jahr ermitteln wir wieder die Spiele des Jahres unserer Community. Nehmt bis zum 10.01. an unserem Voting teil.

    La La Land:
    Meine Güte was war ich auf diesen Film gespannt. Ich konnte es teilweise kaum aushalten das der Film noch nicht bei uns erschienen ist und habe die Wartezeit mit täglichem Hören des Soundtracks verbracht. Ich hatte seltsamerweise die unwahrscheinlich hohe Erwartung an den Film, dass er mir das gleiche Gefühl gibt wie Jacques Demys Filme oder mein Favorit unter den Musicals, 'Singin in the Rain' (RIP Debbie Reynolds ;( ).
    Der Film ist letztendlich genau darin am stärksten, diese Freude der 50-er Jahre Hollywoodmusicals wiederaufleben zu lassen. Es ist unglaublich toll gefilmt, choreographiert, gespielt und die Regie ist unglaublich in ihrer Präzision. Der Soundtrack funktioniert im Film noch besser, da das Visuelle perfekt darauf abgestimmt ist. Es gibt so viel an diesem Film was funktioniert, vor allem der Eröffnungs Trackingshot und die finale Montage. Dazwischen hat der Film aber ab und zu Schwächen, wie ein paar sehr zweidimensionale Charaktere (John Legend), ein paar etwas danebengegriffene Pacing Entscheidungen und einfach einem etwas abgesunkenen Qualitätslevel. Ich kann über diese Schwächen hinwegsehen, da ich alles andere so unglaublich liebe und legitim emotional berührt war, aber ein Meisterwerk ist der Film nicht, was ich aber ehrlich gesagt auch gar nicht erwartet habe.
    Da sich das Jahr dem Ende nähert und man so auf die Filme zurückschaut, kann man schon ziemlich zufrieden sein was dieses Jahr angeht. Und La La Land ist auf meiner Jahresliste auch die Nummer zwei tatsächlich vor objektiv besseren Filmen wie ELLE, aber diese 50-er Hollywood Musicals sind einfach etwas besonderes für mich, weshalb ich einfach viel mehr Spaß bei diesem Film hatte. (Schaut euch trotzdem unbedingt Elle an wenn er im Februar bei uns anläuft).


    An Toni Erdmann kommt er natürlich nicht einmal ansatzweise heran, der Film ist für mich einfach die Krönung des Autorenkinos dieses Jahrzehnts und da wird es sehr viel brauchen um diese unglaubliche erzählerisch ambitionierte Leistung auch nur in Ansätzen zu erreichen. Meine Güte Toni Erdmann. Ich muss schon wieder über den Film reden, weil sonst kann ich nicht mehr schlafen. Ich bin wohl der größte Fan der von diesem Film existiert, aber ich habe ihn schließlich auch schon 10-mal gesehen und bei jedem Mal hab ich mich ein bisschen mehr in ihn verliebt. Während wir immer mehr Filme erhalten, die mit hochgegriffenen Konzepten jonglieren und mit Metapher über Metapher arbeiten, ist Toni Erdmann einfach komplett roh und geerdet. Es ist einfach legitim der beste Film den ich dieses Jahrzehnt gesehen habe und dass liegt vor allem an seinem Drehbuch, das so unglaublich präzise unsere gesamte moderne Gesellschaft Stück für Stück, Aspekt für Aspekt dekonstruiert und dabei so unglaublich surreal und lebensnah zur selben Zeit ist, das man überhaupt nicht weiß was man überhaupt fühlen soll und das auf die beste Art und Weise. Ich habe es Maren Ade schon einmal persönlich gesagt, aber da wusste ich noch nicht wie ernst mir es ist: "Toni Erdmann representiert fast alles was ich vom Kino haben will". Die Charaktere gehören zu den wenigen, deren Namen ich mir extrem leicht merken kann obwohl ich die Namen der Schauspieler kenne (Das fällt mir sonst unglaublich schwer), einfach weil die Figuren so eine distinktive eigene Identität haben, dass man sie als wahre Personen anstelle von Charakteren wahrnimmt. Und meine Güte, die Momente die der Film bietet. So unglaublich brilliant, so unglaublich unangenehm, so unglaublich surreal und gleichzeitig schockierend geerdet und ergreifend. My name is Toni Erdmann. Don't lose the humour. The Greatest Love of All. Die Nacktparty. Die Umarmung. Ines wartet. All diese Momente werden für immer in meinem Gedächtnis verankert sein und ich glaube (und hoffe) ich werde sie bis zu meinem Tod nicht vergessen.
    Wenn ihr euch den Film noch nicht angesehen habt tut ihr euch ernsthaft Unrecht an. Es gibt auch gar keine Ausrede mehr, den Film gibt es sowohl auf BluRay/DvD als auch on Demand, als auch teilweise noch im Kino. Und falls ihr den Film beim ersten Mal nur Gut fandet, kein Problem, mir ging es genauso. Gebt ihm noch eine Chance. Oder zwei. Oder wie ich neun. Manche Filme verlangen es einfach, dass man sie untersucht und analysiert um zu erkennen wie genial und komplex sie eigentlich sind.

    Als Vorbereitung auf PERSONAL SHOPPER, der bei uns im Januar in die Kinos kommt, habe ich mir auf Arte Olivier Assayas Film IRMA VEP angeschaut. Und ich muss sagen, dass ich doch sehr angetan bin. Der Film ist eine sehr komödiantische, surreale, von Metaebenen nur so strotzende Auseinandersetzung mit der französischen Filmindustrie zum damaligen Stand. Maggie Cheung spielt sich absolut fantastisch selbst und auch der Rest überzeugt, vor allem die Kameraarbeit, die eine gewisse Eigenheit hat.
    Nicht so stark wie Assayas letzter Film CLOUDS OF SILS MARIA, aber trotzdem absolut lohnenswert und aufschlussreich für jeden Liebhaber des Kinos, vor allem des Französischen.

    Nocturnal Animals:
    Tom Ford hat mit seinem Debutfilm schon gezeigt, dass er weitaus mehr kann als Mode zu designen. Allerdings muss ich sagen, dass er sich mit seinem Follow Up nochmal übertrifft. Die Regie und Cinematographie des Films sind unglaublich detailverliebt und vor allem stilsicher, die Schauspielleistungen sind on point und schlussendlich ist das Drehbuch echt ein wahnisinnig starkes, einfach weil hier zwei völlig verschiedene Handlungsstränge mit so viel Sorgfalt miteinander verwoben werden dass wir hier eine wahrhaft poetische Geschichte über Rache, Expressionismus und Verlust erhalten, die mit einer der besten des Jahres ist. Ich bin mir sicher, dass viele Leute die sehr tiefgründige, metaphorische Ebene des Films entweder nicht schätzen können, oder sie einfach schlicht nicht so gut finden, aber ich habe jede einzelne Sekunde geliebt und bin sehr gespannt auf Tom Fords weitere Streiche als Regisseur.

    Rogue One gesehen. Fand ihn anfangs etwas komisch von der Regie her, aber das hat sich schnell gelegt. Gegen Ende hatte ich dann extreme Gänsehaut. Immer wieder schön in dieses Universum einzutauchen, auch wenn in dem Teil Charaktere und Story recht schwach waren, aber die Inszenierung und die Momente die entstanden haben es für mich rausgerissen.

    Mir sind heute zwei Sachen wiederfahren, die meine Wut und den Hass gegenüber Hollywood erneut entflammt haben.
    Erstens habe ich mir das Drehbuch zu COLLATERAL BEAUTY durchgelesen, das mich so von den Füßen gefegt hat, einfach weil es eines der moralisch Fragwürdigsten und dümmsten Dinge ist, die ich in den letzten Jahren im Medium Film so mitbekommen habe.


    Diese Kritik, die unter anderem die Handlung (Ohne die noch VIEL dümmeren Twists gegen Ende des Filmes) beschreibt, legt mein Problem mit der Story ganz gut dar:


    Dann sind außerdem die Reviews zu PASSENGERS herausgekommen, einen Film den ich seit er ein unproduziertes Drehbuch war, verfolge. Ich mochte das Drehbuch sehr gerne, da es humorvolles, visuell potentielles Crowdpleaserkino versprach. Allerdings scheinen die ersten Reviews das zu bestätigen was ich nach den ersten Trailern zu dem Film befürchtet hatte: Der Film ist eine misgecastete, unglaublich sterile und chemiefreie Katastrophe, die das ganze Potential des Drehbuchs über Bord geworfen hat.
    Das macht mich eben besonders traurig und wütend, weil ich dieses Projekt schon so lange verfolge und mich sogar ein bisschen darauf gefreut hatte, als angekündigt wurde dass es produziert wurde.


    Dann muss man natürlich darüber reden, was das für ein katastrophales Jahr für das Blockbusterkino war.
    Bis auf Ausnahmen wie: Arrival, The Nice Guys, Zoomania... kam meistens nur halbgare, unoriginelle Scheiße dieses Jahr rum.
    Da freut es mich fast schon, dass ich quasi nur noch in mein Lieblingsindiekino gehen muss, wenn ich Filme sehen will, weil das Indiefilmjahr war im Vergleich zum Blockbusterjahr absolut fantastisch, mit Titeln wie Toni Erdmann, American Honey, Paterson, Things to Come, The Neon Demon und vielen mehr.


    Puh. Musste in dem Bereich einfach mal ein bisschen Dampf ablassen.

    ,weil eine sehr tolle zweite Hälfte der Woche gerade begonnen hat.
    Ich habe gerade das fünfte Mal Toni Erdmann geschaut, das erste Mal zuhause (Auf Amazon Video wo es den Film gibt und wo ihr ihn euch unbedingt kaufen solltet) und der Film hat genauso viel Impact wie im Kino, tatsächlich musste ich mir zwischendurch sogar die eine oder andere Träne verdrücken.
    In ein paar Stunden geht es dann in Rogue One, an den ich zwar nicht hohe Erwartungen habe, aber auf den ich mich trotzdem freue.
    Am Freitag werde ich dann vom lieben @Matze abgeholt und fahre mit ihm zu einem kleinen Treffen unter Hookern, auf das ich mich unglaublich freue. Da gehen wir dort zusammen nochmal in Rogue One (und schauen (eventuell, wenn ich es durchsetzen kann) Toni Erdmann zusammen.) Dann wird das Wochenende für mich noch schön mit der OV Premiere von Tom Fords neuem Film Nocturnal Animals abgeschlossen. Das wird super alles. Vor allem weil ich, wenn ich mal schlechte Laune habe, einfach Toni Erdmann anschauen kann :D
    (Merkt man dass ich Toni Erdmann extrem mag? Ich glaube nicht)