THE WITCHER 3 - Eine nicht so ganz objektive Pre-Review (vom Hype zum Endprodukt - Das Erlebnis eines Fanboys)

  • THE WITCHER 3 - WILD HUNT
    (Pre-Review; nach ca. 40 Stunden auf der PS4)
    ohne Spoiler!



    Vorstellung, Vorfreude & Vorbereitung


    Gamescom 2014. Köln. Donnerstag zur Mittagszeit.


    Eine Menschenmenge ergießt sich in die weiträumigen Hallen des Kölner Messegeländes. Angezogen von neuen Spielen. Unfertigen Spielen, Grundgerüsten & ambitionierten Visionen. Verschiedene Stände locken die Spielergemeinde mit ihren profitorientierten Unterhaltungsmedien. Ich befinde mich zwischen den ganzen FIFAs, Call of Dutys & Assassins Creeds dieser Welt, in dem Wissen, dass mir wohl keines dieser Spiele ein neues, spektakuläres Spielerlebnis bieten würde, geschweige denn daran überhaupt interessiert ist. Doch in Mitten all dieser, zieht ein besonderer Stand meine Aufmerksamkeit auf sich. Einer der großartigsten Charaktere der Spielegeschichte ziert dessen hoch aufragende Fassade.



    Geralt von Riva, seines Zeichens, Hexer und Beschützer des unterdrückten Volkes verkündet die Botschaft eines neuen Abenteuers in Temerien. Nach drei Jahren gab es neue Kunde vom, seiner Zeit, beeindruckenden Fantasy-RPG. Was waren gegen diese Zeit schon die 90 Minuten die man in der Warteschlange verbringen musste?
    Eine weitere halbe Stunde (oder anders ausgedrückt: Eine Advanced Warfare Kampagnenlänge) später war ich mir gewiss: Dieses Spiel musst du spielen!
    Kein anderes der dort präsentierten Spiel konnte mich derartig überzeugen.


    CD Project Red hatte große Ambitionen und war, im Gegensatz zu den meisten AAA-Entwicklerstudios, bestrebt den Spielern ein möglichst gutes Spielerlebnis zu bieten.
    Und was sie ankündigten klang wirklich fantastisch.
    Eine riesige offene, atmosphärische Spielwelt in einer tollen Grafik (die auch im fertigen Spiel immer noch wirklich gut sein sollte), eine lange, auf die Erzählung und Mitbestimmung der Geschichte fokusierte Hauptstory, eine ganze Menge Nebenquests, die über das Töten von 5 Wildschweinen hinausgehen und stattdessen interessante Handlungen erzählen sollten, ein verbessertes anspruchsvolles Kampfsystem und, und, und.....
    Bei den meisten anderen Entwicklern hätte ich ungläubig dagesessen und statt gehyped zu sein, lieber auf das später unfertig, zusammen mit 10 kostenpflichtigen DayOne-DLCs veröffentlichte, verbuggte Spiel gewartet, um mir dann selbst einen Eindruck zu verschaffen. Doch ich vertraute CD Project. Sie hatten bereits zuvor mit den ersten beiden Teilen bewiesen, dass sie sich auf atmosphärische Fantasy-Rollenspiele verstehen. Diese hatten zwar durchaus ihre Schwachpunkte, haben mir aber auch schon sehr viel Freude bereitet (vor allem der zweite Teil).

    Teil 3 hatte nun jedoch das Potential, das Genre auf eine neue Ebene zu hiefen.
    Und so fieberte ich dem, für Ende 2014 angesetzten, Release voller Vorfreude entgegen.



    Dann kam die Ernüchterung: Das Spiel wurde verschoben und sollte nun erst im Frühjahr 2015 erscheinen.
    Doch empfand ich diese Nachricht, trotz anfänglicher Enttäuschung, als gutes Zeichen. Sie wollten das Spiel lieber optimieren anstatt es unfertig auf den Markt zu werfen, um auf die Schnelle Geld für ihre Arbeit einzustreichen.
    Nach einer weiteren Verschiebung vom Februar auf den 19. Mai 2015 erschien es dann endlich vor 3 Tagen.


    Und ich war bereit. Die Uni konnte auch eine Woche lang mal ohne mich auskommen. Soziale Kontakte? Pah! Ich hatte doch tausende von NPCs und bei Konversationsbedarf die Elite der Gamer-Community hier im Forum (Grüße @Scrooge McDuck , @Samuraischnecke , @Linkk, @Retro Edge), die von den Ankündigungen des Spiels wohl auch gehooked gewesen sein sollte und Willens war mich bei meinem Kampf gegen die Wilde Jagd zu unterstützen. Schlaf brauchte ich keinen. Schließlich war Rockstar (ich spreche vom Getränk) bereit mich, gegen ein beträchtliches Entgeld (Warum ist das Zeug eigentlich so teuer?!), ebenfalls bei meinem Kampf zu unterstützen. Meine Trophäensammlung war ebenfalls bereit, ein paar weitere Freunde aufzunehmen.
    Wie gesagt: ICH WAR BEREIT! 8)






    Day One, DGeralt (das "D" ist stumm) & Dankbarkeit




    Der Anfang


    Dann hielt ich es endlich in Händen. Erfürchtig zog ich den Pappschuber von der Spiele Hülle, öffnete sie, freute mich über die beigelegten Extras und schob das Spiel ins Laufwerk meiner Konsole.
    Es folgte der Download des, glücklicherweise nicht allzu großen DayOne-Patches.



    Da war es. Es konnte los gehen. Das Abenteuer begann.


    Schwierigkeitsgrad "Todesmarsch: Du bist verrückt und auch noch stolz darauf."
    Jo, passt.


    Es folgte eine fantastisch inszenierte Cinematic-Cutscene und dann konnte ich endlich die Kontrolle übernehmen. Eintauchen in die Spielwelt.
    Zum ersten Mal traf man auf Yennefer und Ciri, an die man sich zuvor leider nie wirklich erinnern konnte.


    Die Steuerung im Tutorial war zunächst etwas unpräzise, doch ich sollte mich daran gewöhnen.


    Aus seinem Traum erwacht machte sich Geralt zusammen mit seinem Hexerkollegen auf die Suche nach Ciri.
    Da tauchten auch schon die ersten Gegner auf. Eine Hand voll Ghoule. Als legendärer Hexer würden diese ersten Gegner, die einem das Spiel vorsetzt, mich natürlich nicht in Verlegenheit bringen. Ein paar schnelle Schwerthiebe hier, ein Zeichen da und schon würde ich meinen Beutel mit den ersten Items füllen, die ich den Kreaturen aus ihren leblosen Körpern schneiden würde.
    .......Doch was war das?! Ein paar Sekunden später und Geralt lag besiegt im trockenden Staub der Wildnis.
    Dies sollte sich noch zweimal wiederholen, wobei mir die sehr langen Ladezeiten des Spiels (auf der PS4) unangenehm auffielen.
    Ab da war mir klar, dass der Kampf gegen die Bestien Temeriens (zumindest auf diesem Schwierigkeitsgrad) kein Wochenendtripp werden würde, sondern geschicktes Vorgehen und wohl überlegte Kombinationen erfordern würde. Eine Tatsache, die mir sehr gut gefiel.



    Die Spielwelt


    Nach ein paar Minuten war es dann so weit und man konnte das erste Gebiet der offenen Spielwelt bestaunen.
    Bäume und Gräser, die zusammen mit der Haarpracht des weißen Wolfs im Wind wehten, Wildtiere die gemütlich am Wegesrand grasten, NPCs die sich unterhalten und in ihrer Sprache außerordentlich glaubwürdig wirkten. Unterschiedliche Flora & Fauna, in Form von Dörfern, Städten, Höhlen, Bergen, Wäldern, Flüssen und dem Meer. Außerdem verschiedene Tages- und Wettereffekte: Sonnenuntergänge, die den Himmel in ein purpurnes Inferno verwandelten, Sonnenstrahlen, die tagsüber durch die engen Baumwipfel hindurchfielen und Geralts Schatten auf das hoch wachsende Gras, sowie das dichte Gestrüpp warfen, ein Vollmond, der die Landschaft in ein magisches Licht hüllte und Stürme und Regenschauer, welche ihr übriges zur Atmosphäre beitrugen.
    Ich mache es kurz: ich habe noch nie eine schönere Landschaft in einem Videospiel gesehen!
    Zudem ist auch die Grafik (trotz der Downgrade-Diskussion) wirklich beeindruckend.


    Aber die Welt sieht nicht nur gut aus, sondern bietet auch Inhalt.
    Überall stößt man auf versteckte Orte. Darunter befinden sich Monsternester, Banditenlager, versteckte & bewachte Schätze.
    Es gibt so ziemlich an jeder Ecke etwas zu sehen.
    Dabei erfreut das Spiel natürlich die Herzen aller Sammler. In Skyrim berüchtigt als Sammler von Kartoffeln, Tomaten, Käse etc. (ich ahtte da echt hunderte von), war ich auch hier motiviert alles aufzuheben, was sich irgenwie tragen lässt. Doch der Kampf gegen die Masse an Items ist ein schwerer. Kaum rupfte ich die Blüten von einem Strauch, so sah ich zwei Meter neben mir schon den nächsten. Also hin und looten. Und schon wieder erschienen fünf neue Item Markierungen auf der Karte...
    Damit ist jedoch auch ein Problem des Spiels verbunden, da es scheinbar kein Lager für Items im Spiel gibt. Zugegeben, Geralts Inventar, welches sich mit Satteltaschen für sein Pferd noch erweitern lässt bieten sehr viel Platz für alle möglichen Gegenstände, jedoch hätte ich mir schon eine Truhe gewüncht, in der ich die Dinge lagern kann, die ich vielleicht irgendwann noch brauche, aber nicht mehr ragen kann. Aber das ist nur einer, von sehr wenigen kleinen Kritikpunkten. Das Positive überwiegt da deutlich.
    So bevölkern zum Beispiel zahlreiche Kreaturen die Spielwelt. Im Bestiarium kann man sie katalogisieren (Gotta catch'em all!), Informationen über sie erlangen und sie dann zur Strecke bringen. Dazu kommen verschiedene menschliche Gegnertypen: Deserteure, Banditen, Piraten, Kannibalen.
    Temerien ist also randvoll mit Dingen die es zu entdecken gilt.
    In denen steckt auch geschichtliche Tiefe in Form der...



    Nebenquests & Hexeraufträge


    Abseits der Hauptstory gibt es zahlreiche andere Aufträge mit denen man seinen Geldbeutel und sein Inventar füllen, sein Level erhöhen und seine Lebenszeit verbringen kann. Wie CD Project Red es versprach, handelt es sich dabei (vielleicht mit ganz wenigen Ausnahmen) nicht um Sidequests a la WoW, oder Dragon Age Inquisition, bei den man lediglich fünf beliebige Wildtiere erlegt, oder 10 Blumen pflückt, sondern um durchaus interessante Geschichten, die durch verschiedene, selbst bestimmbare Verläufe und damit verbundene Twists bestechen. Oder aber man jagt ein cool designtes und starkes Monster, was einem wichtige Items und hohe Belohnungen einbringt. Laut den Entwicklerm ist man damit gut 100 Stunden beschäftigt und vor allem ist man dabei auch echt gut unterhalten.



    Hauptquest


    Hier kommt leider ein Punkt, zu dem ich nicht viel sagen kann.
    Ich könnte jetzt behaupten, dass ich einfach nur nichts spoilern will, aber die Wahrheit ist eine andere: Ich hab mich ganz einfach noch nicht viel (maximal 10 Stunden) damit beschäftigt (angeblich dauert sie ca 60 Stunden). Das ist ein Luxusproblem das The Witcher 3 besitzt. Es gibt so viel zu tun, dass ich einfach immer von der Hauptgeschichte abgelenkt werde.
    Aber mein erster Eindruck der Geschichte ist ein durchaus positiver und ich freue mich sehr darauf sie noch erleben zu können.



    weitere Zeitvertreibe


    Wie in den ersten beiden Teilen gibt esauch hier wieder kleine Minispielchen, mit denen man sich beschäftigen kann, wenn man mal wieder eine Auszeit braucht.
    Da wären zum einen die Faustkämpfe & Pferderennen, welche eine ganz nette Idee und eine gute Möglichkeit sind Geld zu verdienen, jedoch sind sie nicht sehr spannend und vor allem zu einfach. Zum anderen gibt es "Gwint".
    Was soll ich dazu sagen? Ich finde e einfach fantastisch! Es handelt sich hierbei um eine Sammelkarten-Spiel, welches mit verschiedenen Decks, gegen zahlreiche gegner in der Welt gespielt werden kann. Man kann sich die Karten bei Händlern kaufen und von Gegnern gewinnen. Das Spielprinzip ist eigentlich sehr simpel und daher schnell zu erlernen, erfordert jedoch taktisches Vorgehen und ist sehr spaßig .Als langjähriger TCG-Fan, finde ich großen gefallen daran, die Karten zu sammeln und immer bessere Deck zu erstellen.
    Ich muss hier ein großes Kompliment an CD Project Red aussprechen, dass sie sich die Mühe gemacht haben extra ein Kartenspiel, als kleines Gimmik für das Hauptspiel, zu entwickeln.



    Skillsystem, Alchemie & Crafting


    Das Skillsystem ist so ausgelegt, dass man zwar viele Skills zur Auswahl hat, jedoch immer nur ein paar davon gleichzeitig aktiviert haben kann.
    Wenn ich also bei einem Level-Up einen Skill-Punkt erhalte, kann ich ihn zwar für einen Skill ausgeben, jedoch kann ich den Skill nur einsetzten, wenn ich auch noch einen Fertigkeitenplatz frei hab, von denen man nach und nach immer mehr freischaltet. Man kann die ausgewählten Skills dabei jeder Zeit durch andere ersetzen.
    Ein interessantes System, dass einem nicht gefallen muss, welches ich jedoch gut finde.


    Natürlich kann man auch wieder Tränke brauen, die das Leben wieder auffüllen, oder einem vorrübergehende verbesserungen einbringen. Dabei reichtes einen Trank einmal, mit den gesammelten Kräutern, herzustellen. Wenn man ihn verbraucht hat, kann er einfach wieder durch meditation aufgefüllt werden, solange man noch Alkohol im Inventar hat (ja Kinder, man sollte immer genügend Alkohol dabei haben). Im Gegensatz zu Witcher 2 kann man die Tränke nun auch wieder während eines Kampfes einsetzen.


    Außerdem können, Schwerter, Rüstungen und Bomben hergestellt werden.
    Dafür müssen Baupläne (Schemas), sowie Materialien gesammelt und zu einem Schmied gebracht werden.
    Was mir sehr gut gefällt ist, dass man auch die nicht mehr benötigten Waffen und Gegenstände beim Schmied widerrum in andere Items zerlege kann, welche dass erneut zur Herstellung von anderen Waffen verwendet werden können.




    Zwischen-Fazit


    Da ich "erst" ca. 40 Stunden gespielt hab und das Spiel angeblich 200 Stunden bieten soll, kann ich natürlich kein endgültiges Fazit abgeben.
    Was ich aber sagen kann ist, dass ich enormen Spaß mit dem Spiel hatte. Wenn es seine Faszination für mich bis zum Ende aufrecht erhalten kann und die geschichte der Hauptstory überzeugend ist, muss ich allerdings ganz klar sagen, dass ich noch NIE einen besseren Singleplayer gespielt hab!


    Jeder der irgendwas für Videospiele übrig hat, sollte dieses Spiel spielen!



    Vielen Dank CD Project Red für dieses großartige Spiel und für eure Nähe zu den Fans!




    Pros:

    • Riesige, atmosphärische Spielwelt
    • unmengen Quests & Aufträge (lange Spielzeit)
    • beeinflussbare Story
    • gutes Kampfsystem
    • Gwint
    • sehr gute Grafik
    • super Hauptcharakter
    • (angeblich gute Story)


    Contras:

    • Lange Ladezeiten nach dem Tod
    • Scheinbar kein Itemlager
    • sehr unpräzise Steuerung außerhalb der Kämpfe
    • teilweise schlechte Synchronisation von Nebencharakteren und Statisten, besonders bei den Kindern (auf deutsch)



    Wertung (Ersteindruck): 10/10


    P.S. Wollte einfach mal meinen Eindruck mitteilen. Ihr spielts ja wahrscheinlich eh alle selber, aber dann habt ihr hier nochmal meinen Eindruck dazu.
    In dem Sinne noch viel Spaß mit diesem Meisterwerk.

  • Uiuiui... Also erstmal... Wow! Eine wirklich sehr ausführliche "Pre-Review", die du da verfasst hast :D
    Kann dir in so ziemlich allen Punkten einfach nur zustimmen, den Ersteindruck habe ich selbst auch genau so in Erinnerung!
    ...
    Hm....
    ...
    Was soll ich dazu noch sagen, oben steht doch schon alles, haha :D

  • Ergänzung:


    Hab das Spiel letzte Woche mit einer Spielzeit von 110 Std. beendet.
    Das Spiel hat sein Niveau über 109 Std. gehalten. Eine geniale Atmosphäre, eine durchgängig wunderschöne Spielwelt, aus der Novigrad und die Skellige-Inseln noch einmal positiv herausstechen, tolle Charaktere und Geschichten und ein Gameplay, das bis zum Ende nicht langweilig wurde.
    Der aufmerksame Leser wird jetzt jedoch merken, dass in dieser Aussage 1 Std. meiner Spielzeit fehlt. Das liegt am Ende/den Enden der Haupstory, die ich sehr enttäuschend fand. Zu viele Charaktere und Ereignisse finden keine Erwähnung, oder werden zum Schluss nur kurz in einem Voice-Over angesprochen. Das wirkte auf mich, als wäre den Entwicklern amm Ende das Geld ausgegangen. Man hääte all diese Ereignisse zumindest in kurzen Cutscenes darstellen können. So wie es hier getan wurde, ist es für mich leider eines der enttäuschendsten Spielenden, die ich je erlebt hab. Vor allem wenn man bedenkt, dass dies der letzte Teiil der Reihe war.


    Insgesamt ändert das jedoch nichts an meiner Meinung, dass The Witcher 3 - Wild Hunt das beste Singleplayer-Spiel ist, das ich je gespielt hab.
    Und somit bleibt meine Wertung natürlich eine 10/10