Die Ratsherren #30: Nazis hauen, etwas klauen, ins Kloster abhauen… (und Episode #29)

  • Gewalt ist immer die schlechteste von allen Alternativen außer wenn man sich selbst verteidigen muss.
    Doch gerade in politischer Hinsicht ist Gewalt noch einmal viel gefährlicher, weil sie ohne große Mühe die Position des Gegenüber stärkt. Ich erinnere da nur an die Years of Lead, eine sehr schönes Video darüber habt ihr hier:


    Years of Lead


    Kurz gesagt ging es da um die Auseinandersetzungen zwischen den extrem Rechten und extrem Linken in Italien von 1968-1982.


    Derzeit kann man beängstigende Parallelen zu den Anfängen in Amerika beobachten. Damals hat die Rechte auch verständnis in der Bevölkerung bekommen, weil die Linke gewalt und auch Mordanschläge auf sie ausübte, bevor sie selbiges später wieder durch eigene Gewaltverbrechen verlor.


    Desweiteren möchte ich dieses Video von Markiplier mal hier lassen, er hat es zwar wegen des Tumults um Pewdiepie gemacht aber es trägt eine sehr allgemeine Message mit sich und ich denke, dass Robin sich dieses mal unbedingt anschauen sollte. Er hat es nötig ...


    RESPECT


    Ansonsten euch einen schönen Tag noch ^^

  • Danke für diesen Beitrag er hat mir wirklich die Augen wieder geöffnet. Gewalt nur zur direkten Selbst- und Fremdverteidigung oder nach dem Umstoß.

  • Desweiteren möchte ich dieses Video von Markiplier mal hier lassen, er hat es zwar wegen des Tumults um Pewdiepie gemacht aber es trägt eine sehr allgemeine Message mit sich und ich denke, dass Robin sich dieses mal unbedingt anschauen sollte. Er hat es nötig ...

    Jezt hatte ich endlich mal Zeit, mir das Video von Markiplier anzusehen. Danke dafür, ein großartiges Video. Außerdem finde ich es super, dass ein YouTuber mit einem so großen und oft jungen Publikum ein solches Video veröffentlicht und damit seiner Vorbildfunktion auf eine wunderbare Weise gerecht wird.

  • Derzeit kann man beängstigende Parallelen zu den Anfängen in Amerika beobachten.

    Das sehe ich eben anderes, der unterschied fängt schon beim Wahlsystem an, in Parlamentarischen Systemen wie in den meisten europäischen Ländern lässt in der Theorie das komplette Spektrum von Links nach Rechts zu und representiert dadurch eben auch alle Ansichten, das klappt in der Praxis auch verhältnismäßig gut. Dies führt dazu das meistens eine Moderate Regierung an die Macht kommt und selbst wenn extreme Parteien mit in der Regierung sitzen werden sie doch meistens durch andere Parteien eingegrenzt. In Italien oder Griechenland kommt dies wesentlich häufiger vor als in Deutschland (liegt auch daran das es dort mehr Parteien gibt die ins Parlament kommen und die unterschiede zwischen den Parteien deutlicher Ausfallen als hier).


    In Amerika ist es allerdings so das viele Leute immer für eine der zwei Optionen stimmen, da sich der politische Gegner eben als komplett unkompatibel zu den eigenen Ansichten zeigt. Das 2 parteien System führt dan dazu das in den Parteien die grabenkämpfe im Linken und Rechten Spektrum ausgeführt werden und wer diesen Kampf gewinnt, bekommt im normalfall auch alle Stimmen der Partei und deren unterstützer und so konnte die, wenn man komplett Amerika betrachtet Extreme Rechte, die durch die Tea-Party schon immer stärker in Amerika wurde, eine Partei für sich vereinnahmen und damit auch plötzlich die Regierung, obwohl nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wirklich aus Faschisten besteht. Somit sehen wir in Amerika keine Anfänge mit Bannon hat ein Faschist die Macht im weißen Haus und ab dem Punkt werde ich niemanden dafür verurteilen Nazis wie spenzer zu schlagen. Natürlich darf es keinen Linken Terror geben, aber für einen Sieg durch den Moralischen Highgound ist es vielleicht eben zu spät.


    Die Frage die ich mir stelle ist eben wie viele Anschläge auf die Grundrechte von Minderheiten, wie jetzt eben Transgendern man zulässt bevor man einschreitet, wie oft lässt man Trump Menschenleben in Gefahr bringen?

    Desweiteren möchte ich dieses Video von Markiplier mal hier lassen, er hat es zwar wegen des Tumults um Pewdiepie gemacht aber es trägt eine sehr allgemeine Message mit sich und ich denke, dass Robin sich dieses mal unbedingt anschauen sollte. Er hat es nötig ...


    RESPECT

    Das ist ein gutes Argument und ich stimme auch vollkommen zu, aber er spricht eben gegen Ende einen Punkt an den ich bei PewDiePie vermisse: Er akzeptiert seine Vorbildfunktion und will damit auch etwas erreichen. Ich kenne mich mit PewDiePie nicht wirklich aus, aber das meiste was in dieser Kontroverse momentan passiert deutet eben darauf hin das er diese Vorbildfunktion nicht annehmen will. Ich glaube nicht das er ein Antisemit ist, aber ich halte seinen Umgang mit seiner großen Verantwortung die er mit dieser Reichweite hat für Verantwortungslos,


  • "Doof gelaufen" sage ich auch nicht, ich finde die Aktion ja durchaus ganz gut ;) Ich stimme dir aber zu, dass "Verantwortung" in der Hitze des Gefechts ein viel zu großes Wort war.


    Nur wenn du glaubst, dass Rassismus und Anti-Semitismus eine politische Einstellung sind. Nur dann kann das Wehren dagegen auch zur politischen Einstellung werden. Das sind wir glaube ich leider einfach unterschiedlicher Ansicht.

    Okay. Diese Unterscheidung macht für mich an der Stelle überhaupt keinen Sinn. Es ist egal, ob die Aussage politisch ist oder einfach nur Bullshit. Gewalt rechtfertigt sich durch gar nichts, was man denkt oder verbal von sich gibt.


    Mit Gewalt kannst du die Meinung einer anderen Person nicht ändern, im Zweifelsfall stärkst du sie nur noch in ihrer Meinung. Gewalt gegen Nazis oder Trump Supporter lässt ihre Gegner in einem schlechten Licht dastehen und gibt ihnen Argumente für ihre Sache. Solche Auseinandersetzungen sind eben nicht so Wirksam wie friedliche Proteste oder Aufklärungsarbeit. Solche Sachen brauchen aber sehr viel Zeit und Geduld und gleichzeitig sind die positiven Resultate nicht sofort sichtbar. Da hingegen ist jemanden in die Fresse zu schlagen sehr einfach und schnell und man bekommt sofort eine positive Rückmeldung. Diese kurzfristige Befriedigung mag im ersten Moment toll sein aber langfristig schaden solche Aktionen mehr als sie nützen. Gewalt erzeugt nur mehr gegengewalt.


    "Warum sind die denn so dumm? Wie können die denn so blind sein und das nicht verstehen? Es ist doch so offendsichlicht. Da bleibt mir dann wohl nichts anderes übrig als dem Schwulen/Ausländer/Nazi zu verprügeln, anders geht es halt nicht!"


    Das ist halt die gleich Logik die auch die Nazis benutzen. Dadurch wird eben kein Problem gelöst, es eskaliert höchstens, was es nur noch schlimmer macht.

  • Das sehe ich eben anderes, der unterschied fängt schon beim Wahlsystem an, in Parlamentarischen Systemen wie in den meisten europäischen Ländern lässt in der Theorie das komplette Spektrum von Links nach Rechts zu und representiert dadurch eben auch alle Ansichten, das klappt in der Praxis auch verhältnismäßig gut. Dies führt dazu das meistens eine Moderate Regierung an die Macht kommt und selbst wenn extreme Parteien mit in der Regierung sitzen werden sie doch meistens durch andere Parteien eingegrenzt. In Italien oder Griechenland kommt dies wesentlich häufiger vor als in Deutschland (liegt auch daran das es dort mehr Parteien gibt die ins Parlament kommen und die unterschiede zwischen den Parteien deutlicher Ausfallen als hier).


    In Amerika ist es allerdings so das viele Leute immer für eine der zwei Optionen stimmen, da sich der politische Gegner eben als komplett unkompatibel zu den eigenen Ansichten zeigt. Das 2 parteien System führt dan dazu das in den Parteien die grabenkämpfe im Linken und Rechten Spektrum ausgeführt werden und wer diesen Kampf gewinnt, bekommt im normalfall auch alle Stimmen der Partei und deren unterstützer und so konnte die, wenn man komplett Amerika betrachtet Extreme Rechte, die durch die Tea-Party schon immer stärker in Amerika wurde, eine Partei für sich vereinnahmen und damit auch plötzlich die Regierung, obwohl nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wirklich aus Faschisten besteht. Somit sehen wir in Amerika keine Anfänge mit Bannon hat ein Faschist die Macht im weißen Haus und ab dem Punkt werde ich niemanden dafür verurteilen Nazis wie spenzer zu schlagen. Natürlich darf es keinen Linken Terror geben, aber für einen Sieg durch den Moralischen Highgound ist es vielleicht eben zu spät.


    Die Frage die ich mir stelle ist eben wie viele Anschläge auf die Grundrechte von Minderheiten, wie jetzt eben Transgendern man zulässt bevor man einschreitet, wie oft lässt man Trump Menschenleben in Gefahr bringen?

    Das haben auch schon unzählige Leute beschrieben unter anderem CGP Grey (LINK: CGP), um nur mal einen zu nennen, aber zum besseren Verständnis erkläre ich, so gut ich eben kann, was im U.S.- Wahlsystem so dermaßen falsch läuft.


    1. Indirekte Wahlen/Electoral College:
    Die Wahlen in den USA sind indriekt, was heißt das Volk wählt NICHT den Präsidenten, sondern Wahlmänner, die dann ihre Stimme abgeben. Warum das absolut lächerlich ist sollte jedem klar sein und so kam es schon häufig vor, dass ein Kandidat mehr Stimmen bei der Wahl hatte als der andere, aber trotzdem Präsident wurde, weil eben mehr Wahlmänner für ihn stimmten(auch 2016 tratt dies ein).


    2. First Past the Post System
    Wie im Oberen Video auch beschrieben ist dieses System undemokratisch und sorgt dafür, das es nur 2 Parteien gibt. Probleme sind zum Beispiel, dass Wähler taktisch wählen, also nicht den wählen mit dessen Einstellung sie am meisten übereinstimmen, sondern den der Chancen auf Gewinn hat und dessen Einstellungen einen am wenigsten nerven. Und auch 3. Parteien werden damit effektiv verhindert und es entsteht dieser wenn du 3. Partei wählst schmeisst du deine Stimme weg, was in diesem System auch zutrifft, aber ich erkläre es an einem Beispiel:


    2 hypothetische Wahlen in einem USA-gleichen System mit gleicher Wahlbesteiligung:
    Partei R erreicht 48%
    Partei D erreicht 52% --> Gewinner


    In der 2. Wahl kommt nun eine 3 Partei (Partei X) auf, die auf dem politischen Spektrum näher an Partei D liegt. 20% der Wähler von Partei D und 10% der Wähler von Partei R wählen diese 3. Alternative lieber. Folglich die Ergebnisse:
    Partei R:38% --> Gewinner
    Partei X:30%
    Partei D:32%


    Duch das Aufkommen der Dritten Partei ist nun Partei R Gewinner und somit hat das Aufkommen einer Alternative auf der einen Seite des polischen Spektrums dafür gesorgt, dass eine Partei auf dem komplett anderen Ende die Wahl gewinnt, deswegen bringt es nichts 3. Partei zu wählen, weil in diesem System du dadurch dafür sorgst, dass die Partei die du wohl am wenigsten magst gewinnt.


    Solange das Wahlsystem in den USA nicht mal modernisiert wird haben die Menschen dort kaum eine Wahl(pun not intended). In einem solchen System können nur 2 große Parteien überleben und das diese natürlich 2 relative Extrema auf dem politischen Spektrum darstellen sollte wenig überraschend sein.

  • 1. Indirekte Wahlen/Electoral College:
    Die Wahlen in den USA sind indriekt, was heißt das Volk wählt NICHT den Präsidenten, sondern Wahlmänner, die dann ihre Stimme abgeben. Warum das absolut lächerlich ist sollte jedem klar sein und so kam es schon häufig vor, dass ein Kandidat mehr Stimmen bei der Wahl hatte als der andere, aber trotzdem Präsident wurde, weil eben mehr Wahlmänner für ihn stimmten(auch 2016 tratt dies ein).

    Du steckst hier zwei Punkte zusammen, wovon eigentlich nur einer problematisch ist.


    Wahlleute sind nicht das Problem.
    Das Problem ist die Verteilung der Wahlleute. Es gibt nämlich nur 9 Staaten, die das gemäß dem Wahlverhältnis machen, alle anderen senden nur die Wahlleute der Gewinnerpartei.



    Weitere Probleme, die du nicht aufgezählt hast sind unter anderem die Registrierung und der Wahltag, beides hier beschrieben. Zur Registrierung außerdem noch lesenswert dieser Thread. Und dieser.


    Deshalb ist es auch zu einfach, den Nichtwählern in den USA die Schuld am Wahlausgang zu geben. Oftmals wird ihnen die Wahl nämlich einfach nahezu unmöglich gemacht.

  • Wahlleute sind nicht das Problem.
    Das Problem ist die Verteilung der Wahlleute. Es gibt nämlich nur 9 Staaten, die das gemäß dem Wahlverhältnis machen, alle anderen senden nur die Wahlleute der Gewinnerpartei.

    Selbst wenn man das so macht sind Wahlleute für mich absolut unnötig, selbst wenn sie absolut sich dem Wahlverhältnis angleichen(was sie übrigens kaum schaffen können, denn du kannst ja nur ganze Wahlmänner verschieben und jeder Wahlmann kann nur das Ergebnis um 0,18 Prozent ändern, also kann du zum Besipiel 50,1% gar nicht darstellen) und wenn nicht, dann verfälschen sie Wahlen. Das es überhaupt möglich ist, dass ein Kandidat mit mehr Stimmen verlieren kann sollte absurd genug sein.


    Also sind sie im besten Falle unnötig und im schlimmsten der Demokratie hinderlich.

  • Solange das Wahlsystem in den USA nicht mal modernisiert wird haben die Menschen dort kaum eine Wahl(pun not intended). In einem solchen System können nur 2 große Parteien überleben und das diese natürlich 2 relative Extrema auf dem politischen Spektrum darstellen sollte wenig überraschend sein.

    Stimme dem ganzen grüßtenteils zu, mit der Ergänzung von @Matze.
    Mein Argument war ja das dieses System den Aufstieg von Faschisten leichter macht.

  • Wahlleute sind nicht das Problem.
    Das Problem ist die Verteilung der Wahlleute. Es gibt nämlich nur 9 Staaten, die das gemäß dem Wahlverhältnis machen, alle anderen senden nur die Wahlleute der Gewinnerpartei.

    Selbst wenn man das so macht sind Wahlleute für mich absolut unnötig, selbst wenn sie absolut sich dem Wahlverhältnis angleichen(was sie übrigens kaum schaffen können, denn du kannst ja nur ganze Wahlmänner verschieben und jeder Wahlmann kann nur das Ergebnis um 0,18 Prozent ändern, also kann du zum Besipiel 50,1% gar nicht darstellen) und wenn nicht, dann verfälschen sie Wahlen. Das es überhaupt möglich ist, dass ein Kandidat mit mehr Stimmen verlieren kann sollte absurd genug sein.
    Also sind sie im besten Falle unnötig und im schlimmsten der Demokratie hinderlich.

    Wahlleute sind nicht das Problem, wir in Deutschland wählen schließlich auch nicht unseren Kanzler sondern Abgeordnete. Die Verteilung der Wahlmänner auf Staaten die nicht die Populationsverteilung widerspiegelt und die "Winner-takes-all" Methodik die in den meisten Staaten verwendet wird sind das Problem.
    Wie direkte Demokratie ausgehen kann hat uns Großbritannien vor kurzem gezeigt.

  • Ich find's jetzt aber bisschen schwierig, direkte Demokratie daran zu kritisieren, dass einem das Ergebnis nicht gefällt. Wenn jetzt durch das Volk darüber abgestimmt werden würde, ob homosexuelle Paare jetzt auch Kinder adoptieren dürfen und das Ergebnis positiv wäre, hätten hier die meisten wohl auch nichts gegen direkte Demokratie (In diesem Fall).
    Ich persönlich bin prinzipiell gegen direkte Demokratie, da ich der Ansicht bin, dass (leider) die Mehrheit des Volkes nicht für das Wählen und Entscheiden von politischen Prozessen geeignet ist. Ich bin sogar der durchaus schwierigen Ansicht, dass nicht jeder wählen sollen dürfte und dass es in irgendeiner Weise eigentlich Test- oder Auswahlprozesse für Wähler geben sollte. Natürlich ist das nicht mit unseren demokratischen Grundsätzen vereinbar, aber ist in dem Falle eben meine Meinung. Ich habe da jetzt auch keine konkreten Vorschläge wie sowas aussehen müsse, aber ist jetzt auch nur ne prinzipielle Einstellung meinerseits.
    Deswegen sollte man Demokratie (Wenn es um verstärkten Einfluss des gesamten Volkes geht) einschränken, wo es nur geht. Ist ja auch nicht verwunderlich, dass Parteien an den Rändern (LINKE, AfD) für die direkte Demokratie sind.

  • Wenn jetzt durch das Volk darüber abgestimmt werden würde, ob homosexuelle Paare jetzt auch Kinder adoptieren dürfen und das Ergebnis positiv wäre, hätten hier die meisten wohl auch nichts gegen direkte Demokratie (In diesem Fall).

    Doch. Mich stört ja, dass in der direkten Demokratie alle entscheiden und nicht die Politiker, die Berater haben und ihnen sagen, welche Auswirkungen welche Entscheidung haben könnte. Man kann nicht vom Bürger erwarten, sich genügend mit allen Thematiken auseinanderzusetzen, dass er eine fundierte Meinung dazu entwickeln kann.
    Und wenn die Bürger nicht Bescheid wissen, passieren so Dinge wie der Brexit, nach dem die Bürger erstmal googeln mussten, was das jetzt bedeutet.
    (Wobei hier Trump eher der ahnungslose Bürger ist)

  • Wie direkte Demokratie ausgehen kann hat uns Großbritannien vor kurzem gezeigt.

    Oder die Schweiz damals mit dem Minarettverbot


    Sorry, wenn das jetzt ein wenig Off-Topic wird aber ich kann das nicht so stehen lassen. Ich will dieses Abstimmungsergebnis nicht schönreden, aber es gibt da einige Dinge die man beachten sollte, bevor man sowas einfach in den Raum wirft:


    Auch die Schweiz muss sich an Menschenrechte und Gesetze halten. Wir können zwar abstimmen was wir wollen, wie dieser Entscheid dann schlussendlich umgesetzt wird ist aber eine ganz andere Frage. Trotz aller Kritik am Volksentscheid ist allerdings zu beachten, dass durch diesen niemand an Leib und Leben wegen seiner Religion bedroht ist. Die Religionsausübung ist für Moslems weiterhin möglich, Moscheen können gebaut und für die religiöse Praxis verwendet werden. Auch die Kritik am Volksentscheid sollte verhältnismässig sein.





    Quelle: http://www.aargauerzeitung.ch/…t-nicht-absolut-128610269




    Dazu kommt dass es Gegenden gibt, wo bauen einfach nicht möglich ist da man dort ein bestimmtes Bild wahren möchte. Orte mit historischer Bedeutung zum Beispiel. Und davon gibt es mehr als man denkt! Da wirst du mit deinem Baugesuch ohnehin keinen Erfolg haben. Ob du nun ein Minarett, Hochhaus oder Kirche hinstellen willst. Verbot hin oder her.

  • @Rynn


    Es geht ja nicht darum, wie man zum Minarettverbot steht (Was ich prinzipiell für eine legitime politische Forderung halte), sondern darum, dass man prinzipiell aus obig genannten Gründen gegen die Idee des Volksentscheides ist.
    Aber auch nach deiner Erklärung, bezweifle ich, dass Gegner dieses Verbots das Verbot jetzt besser finden. Verstehe nämlich ehrlich gesagt nicht, was deine Erklärung jetzt an dem Faktum des Verbots des Baus von Minaretten ändert?

  • Verstehe nämlich ehrlich gesagt, was deine Erklärung jetzt an dem Faktum des Verbots des Baus von Minaretten ändert?


    Dass es eigentlich kein "Verbot" ist, dass alles ziemlich vage ist und diese Abstimmung im Grunde nichts verändert hat?

  • Selbst wenn man das so macht sind Wahlleute für mich absolut unnötig, selbst wenn sie absolut sich dem Wahlverhältnis angleichen(was sie übrigens kaum schaffen können, denn du kannst ja nur ganze Wahlmänner verschieben und jeder Wahlmann kann nur das Ergebnis um 0,18 Prozent ändern, also kann du zum Besipiel 50,1% gar nicht darstellen) und wenn nicht, dann verfälschen sie Wahlen. Das es überhaupt möglich ist, dass ein Kandidat mit mehr Stimmen verlieren kann sollte absurd genug sein.Also sind sie im besten Falle unnötig und im schlimmsten der Demokratie hinderlich.

    Wahlleute sind nicht das Problem, wir in Deutschland wählen schließlich auch nicht unseren Kanzler sondern Abgeordnete. Die Verteilung der Wahlmänner auf Staaten die nicht die Populationsverteilung widerspiegelt und die "Winner-takes-all" Methodik die in den meisten Staaten verwendet wird sind das Problem.Wie direkte Demokratie ausgehen kann hat uns Großbritannien vor kurzem gezeigt.


    Wie direkte Demokratie ausgehen kann hat uns Großbritannien vor kurzem gezeigt.

    Oder die Schweiz damals mit dem Minarettverbot


    Ich find's jetzt aber bisschen schwierig, direkte Demokratie daran zu kritisieren, dass einem das Ergebnis nicht gefällt. Wenn jetzt durch das Volk darüber abgestimmt werden würde, ob homosexuelle Paare jetzt auch Kinder adoptieren dürfen und das Ergebnis positiv wäre, hätten hier die meisten wohl auch nichts gegen direkte Demokratie (In diesem Fall).
    Ich persönlich bin prinzipiell gegen direkte Demokratie, da ich der Ansicht bin, dass (leider) die Mehrheit des Volkes nicht für das Wählen und Entscheiden von politischen Prozessen geeignet ist. Ich bin sogar der durchaus schwierigen Ansicht, dass nicht jeder wählen sollen dürfte und dass es in irgendeiner Weise eigentlich Test- oder Auswahlprozesse für Wähler geben sollte. Natürlich ist das nicht mit unseren demokratischen Grundsätzen vereinbar, aber ist in dem Falle eben meine Meinung. Ich habe da jetzt auch keine konkreten Vorschläge wie sowas aussehen müsse, aber ist jetzt auch nur ne prinzipielle Einstellung meinerseits.
    Deswegen sollte man Demokratie (Wenn es um verstärkten Einfluss des gesamten Volkes geht) einschränken, wo es nur geht. Ist ja auch nicht verwunderlich, dass Parteien an den Rändern (LINKE, AfD) für die direkte Demokratie sind.

    Vor allem herrscht oft ein falsches Demokratieverständnis vor. Demokratie bedeutet nicht, dass einfach über alles abgestimmt wird und das Ergebnis dann in Gesetze gegossen wird. Über Menschenrechte z.B. kann ich nicht abstimmen und die Abstimmung zu Minaretten ist aus Sicht der Religionsfreiheit zumindest diskutabel. Die anstehende Abstimmung zur Todesstrafe in der Türkei ist ähnlich problematisch.

  • Puh. Ich habe die Folge gerade erst nachgeholt und hatte danach EINIGES an Redebedarf. Dann habe ich den Thread hier gelesen und zum Glück muss ich gar nicht mehr so viel sagen, das haben andere schon für mich gemacht. Danke dafür.


    Zwei Sachen muss ich noch loswerden: Robin sagt zwar mehrfach, dass er das Thema nicht auf einer allgemeinen, höheren Ebene betrachtet, sondern nur diesen einen Einzelfall. Das ist aber schlicht und einfach unmöglich unmöglich, damit macht man es sich viel zu einfach, denn eine solche Aktion hat immer Kontext. Man kann auch nicht einfach den Rechtsstaat ausklammern, denn wir leben nun einmal in einem solchen. Und wenn jemand einem Nazi in die Fresse haut, dann habe ich auch kein Mitleid mit dem Nazi. Vielleicht denke ich mir sogar: 'Joa, den falschen hat es jetzt nicht getroffen'. Aber ich habe genauso wenig Mitleid mit dem Schläger, wenn er dafür die Härte des Rechtsstaates zu spüren bekommt. Den falschen hat es auch dann nicht getroffen.


    Und eins wollte ich nochmal klarstellen, weil es mir nicht deutlich genug geworden ist: Wenn man mit oder über rechtsextreme und menschenverachtende Personen und Positionen diskutiert, geht es nie darum, den Spinner selbst zu überzeugen. Sondern die Leute, die ihm zuhören, und sich vielleicht denken: Ach, der hat ja gar nicht sooo unrecht. Mit diesen Menschen muss man sich auseinander setzen und sie überzeugen, dass diese Person eben doch so himmelsschreiend im Unrecht ist. Und gerade diese Bemühung geht eben nur und ausschließlich mit Argumenten und niemals mit Gewalt. Gewalt gegen diesen Spinner bewirkt dann nämlich, wie schon mehrfach (auch von Mats) erwähnt, das genaue Gegenteil. Die unentschlossenen Menschen werden sich eben nicht denken: 'Ui, der bekommt für seine Meinung eins aufs Fressbrett, dann muss seine Meinung ja falsch sein'. Es besteht vielmehr die Gefahr, dass diese Leute dann aus Angst, ebenfalls geschlagen zu werden, sich eben eben nicht mehr trauen, etwas öffentlich sagen. Stattdessen ziehen sie sich zurück, in ihre eigene Welt, festigen ihre Meinungen immer mehr, und radikalisieren sich. Und das ist das gefährlichste, was passieren kann, denn dann werden diese Leute verrückt und werden Extremisten in die Arme getrieben. So entstehen Reichsbürger und Islamisten doch überhaupt erst!


    Als Abschluss der Diskussion noch etwas, das bereits mehrfach angeklungen ist, aber eigentlich die ganze Diskussion obsolet macht:


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