Ich liebe NieR und Drakengard

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  • Spoilerwarnung:

    Dieser Text Spoilert Drakengard 1, Drakengard 3 und NieR. Sowohl Charaktere als auch Story Details und Enden. Jeder der weiterließt hat also selbst Pech.


    Anmerkung:
    Das ganze ist keine richtige Review, genau genommen weiß ich nicht, was es ist. Ich hatte Lust diesen Text zu schreiben, ich habe mir keine Gedanken über eine genaue Struktur gemacht. Ich hab es einfach aus meinem Kopf und meinem Herzen weggeschrieben und denke, hier passt er dennoch am besten rein.



    Ich liebe NieR und Drakengard


    Jede Sekunde, in der ich Drakengard gespielt habe, waren die schlimmsten in meiner Videospielzeit. Während Drakengard 3 an vielen Punkten einfach schlecht ist, was das Leveldesign und die Framerate angeht, ist der erste Teil tot langweilig. Ja es läuft flüssig, aber man macht dennoch die ganze Zeit nur eine Kombo. Dafür hat man hier wenigstens das Coole fliegen mit dem Drachen. Als Ausgleich gibt es aber nur Braun in Braun bei der Spielwelt, nicht sonderlich spannend. NieR sticht da ein wenig heraus, es ist an vielen Punkten einfach nicht ganz so gut, solide, aber eben nicht ganz so gut. Dafür hat es darin eine gewisse Kreativität, zum Beispiel Sidescrooler- oder Textadventurepassagen. Es sorgt für Abwechslung.
    Aber alle, die die Spiele kennen wissen, das Gameplay ist nicht die Stärke des Spiels, diese liegt woanders. In ihren Geschichten, in den Charakteren und der Art der Erzählung. Deswegen liebe ich Drakengard/NieR mehr als jede andere Spieleserie. Es gibt einfach nichts, dass einem eine ähnliche Erfahrung geben kann und dies beginnt schon außerhalb der eigentlichen Geschichte. Es beginnt mit einem Mann. Yoko Taro und seiner Art eine Geschichte zu schreiben. Dem “backwards scriptwriting“.
    Dies bedeutet ganz einfach, dass man zu erst das Ende, oder in diesem Fall die Enden, schreibt und von da an die Geschichte entwickelt, man fängt also rückwärts an, setzt die einzelnen Plotpunkte und Wendungen, bis man schließlich an den Anfang kommt. Dies ist auch eine Erklärung für die Dinge in den Spielen, die am Anfang gesagt werden und die man erst dann versteht, wenn man sie mit dem Wissen des Endes hört. Als Beispiel hier für kann man gut NieR anführen. Das Spiel verrät einem in den ersten paar Minuten bereits seinen Plottwist, dass der Shadowlord eine Seele ist.
    Tatsächlich ist der Satz “All i ask, is your soul.“ einer der ersten, die in diesem Spiel fallen. Durch den Zeitsprung und da es nicht mehr aufgegriffen wird, vergisst man es recht schnell, doch wenn man 2-3 Minuten darüber nachdenkt, könnte man bereits darauf kommen, was die Schatten eigentlich sind. Zu mal noch ein längerer Dialog mit ein paar Anspielungen folgt.
    Aber auch die Enden als solche werden benutzt um einen Wandel der Charaktere und/oder Begleiter zu zeigen. Hier ist vor allem Drakengard 3 ein gutes Beispiel. In dem einen Ende ist One, noch klar feindlich und hasst Zero für den Tod ihrer Schwestern. In einem anderen wiederum, teilt sie die Meinung, dass die Intoner keinen Platz auf den Planeten haben und nur das gegenseitige Misstrauen führt zum Kampf. Doch damit nicht genug, dass Spiel spielt auch mit den Erwartungshaltungen der Spieler, verändert sich dabei aber gleichzeitig immer stückweise.
    So begegnet man in Branch B der Intoner Two. Dito möchte sie töten, wird von Cent niedergestreckt, der anschließend die Gruppe verrät. In Branch C wiederum, werden sowohl Dito als auch Cent getötet, beide bleiben loyal, obwohl man Two begegnet. In Branch D ist es genau umgekehrt, man begegnet Five als Untote, Dito verrät einen und es ist Cent, der Zero schützen will. Die Rollen haben sich mit jedem Branch immer ein bisschen mehr vertauscht. Hinzu kommt noch, dass jeder Branch ein wenig verrückter und wahnsinniger wurde, was genau das ist, was Dito wollte (“Thisis exactly the kind of insane world I´ve always wanted! It´s just perfect for an undesirable sap like me! I think I´m gonna stay here FOREVER!“) , nicht aber das, was Cent ersehnt (er wollte mit Lady Two die perfekte Welt schaffen). Die schwankende Loyalität ist hier also, wenn man es analysiert, genau so absehbar. Aber auch erst, nachdem man das Wissen hat.
    Ein weiterer Punkt sind die sehr abgedrehten, aber interessanten Charaktere, die das Spiel hat. Sei es ein lebendes Grimmoire, welches früher einmal ein Mensch war, oder die Begleiter aus Drakengard 1 wie z.B Leonard, der eigentlich ein ganz netter Kerl ist. Getrieben von Schuldgefühlen, sich aber gerne umbringen würde, aber dazu fehlt ihm der Mut. Zu dem besitzt er die Neigung zu Pädophilie, dies wird in der englischen Version nur angedeutet, in der japanischen ist es aber recht klar. Es ist bezeichnend, dass man diese Person noch als netteste Person der Gruppe aus Drakengard 1 ansehen kann.
    Tatsächlich haben die spielbaren Protagonisten immer eines gemeinsam, ihre Wut. Caim, der seine Feinde und so ziemlich jede andere Person auf den Planeten hasst und töten würde, nur um an seine Schwester zu kommen. Zero, die erfüllt ist von Verbitterung und Zorn auf sich selbst und dass sie die Macht der Blume auf die Welt losgelassen hat und schließlich NieR. Er ist an und für sich ein netter und hilfsbereiter Mann, aber als ihm seine Tochter genommen wurde, hasst er die Schatten und alle, die sich ihm in den Weg stellen und löscht sie gnadenlos aus, egal wie die Verbindung vorher war, sogar Devola und Popola.
    Trotz, oder gerade wegen des Hasses, sind die Begleiter sehr wichtig, in jedem der drei Spiele. Diese sind, wie schon erwähnt, nie gewöhnlich. In manchen Spielen folgen sie aus der Notwendigkeit heraus (Drakengard 1), in anderen, weil sie keine Wahl haben/es freiwillig tun (Drakengard 3) oder aber, weil sich eine Freundschaft bildet (NieR). So mit wirkt im Universum als solches nichts künstlich herbeigeschrieben. Zu dem wird jede Persönlichkeit ernst genommen und die Dialoge sind gut geschrieben, egal ob nur zwischen ihnen oder mit dem Protagonisten, alles wirkt auf die Situation abgestimmt und mit der Zeit werden sie auch immer tiefer und emotionaler, dies ist vor allem bei NieR der Fall, welches einen noch größeren Wert auf seine Geschichte legt.
    Tatsächlich ist die Geschichte aller Spiele erst einmal eines, verwirrend. Sie erfordert ein gewisses Maß an Eigenleistung, man muss Dinge interpretieren, Teile der verschiedenen Enden zusammenbringen und so weiter, um alles zu verstehen, meistens reicht es nicht einmal dann. Das liegt vor allem daran, dass es neben den Spielen auch noch Kurzgeschichten, Mangas, einen Anime und sogar eine Drama CD gibt, die alle weitere wichtige und fehlende Informationen liefern. Drakengard/NieR geht also noch weiter als nur die Spiele, es fordert einen heraus. Es will, dass du nachdenkst, dass du interpretierst und nach den Antworten suchst, die es nur andeutet. Es will, dass du dich informierst und austauscht und vor allem will es eines, dich Unterhalten. Yoko Taro sagt selbst, er macht Spiele für Nischenspieler. Spiele für Leute die so etwas wie Drakengard suchen. Spieler, die kein Problem damit haben, sich der Düsternis der Menschen zu stellen und sie zu erleben, denn dass sind sie alle. Auf irgendeine Art und Weise, zeigen die Spiele von Yoko Taro das schlechte der Menschheit, gesteigert in ein extrem.
    Der Wut und Rachedurst von Caim, der Selbsthass und Zorn von Zero, die Engstirnigkeit und der Trotz von NieR. Die Gelüste und der Sadismus von Dito und noch viel mehr. Man bekommt schlimme, seltsame und manchmal auch kranke Dinge gezeigt, die schlimmen Taten werden (besonders bei Drakengard 1), nicht erhöht zu etwas Gutem. Man ist, was man ist in diesen Spielen. Im guten, wie im Schlechten. Man bekommt einen Einblick in eine verrückte Welt, eine Welt, in der niemand wirklich sein will. Man bekommt gezeigt, was man selbst nicht sein will und das alles in einer Form, die einen unterhält. Vielleicht verwirrt, sicher ab und zu schlucken lässt, aber immer unterhält.
    Deswegen liebe ich diese Spiele, deswegen freue ich mich, auf NieR Automata mehr als auf Zelda, Last Gurdian, Persona 5 und jedes andere Spiel der letzten Jahre. Ich hätte nie gedacht, jemals wieder ein Yoko Taro Spiel zu bekommen. Jedes könnte das Letzte sein. Nischenspiele, für Nischenspieler. Nischenspiele von einem seltsamen Menschen, für seltsame Menschen. Nischenspiele, die man nirgendwo anders so zu sehen bekommt. Nischenspiele, die mich zum nachdenken und philosophieren bringen.
    Danke dafür, danke fürs lesen, vielleicht hat jetzt ja jemand, der es noch nicht kennt, Lust bekommen in eines der Spiele hineinzusehen. Ihr findet sie alle bei Time23.


    Drakengard 1
    Drakengard 3


    NieR


    Ein kleiner Nachtrag zu diesem Text: Er lag nun zwei, vielleicht auch drei Monate auf meinem Computer rum. Ich habe ihn mehrmals gelesen, ich bin unzufrieden mit ihm. Ich habe das Gefühlt das hier noch dutzende Punkte fehlen, vielleicht auch mehr.
    Aber dennoch steht er nun online. Ich glaube nicht, dass ich aktuell das besser kann. Mir fehlt einfach die Zeit, vielleicht fehlt mir auch das Verständniss. Vielleicht erwarte ich auch zu viel von mir oder von der Spielereihe.
    Aber ich schreibe lieber etwas nicht vollkommenes zu etwas, das ich mag, als gar nichts.