[Umfrage] Psychische Krankheiten

  • Im "Vertrauen" - auf eine sehr merkwürdige Weise hat mich die Tatsache, dass er Depressionen hat und scheinbar nicht mit allem in seinem Leben klar kommt, auch beruhigt. Nicht, dass ich schadenfroh wär oder ihm Schlechtes wünschen würde. Im Gegenteil, ich habe ihm selbstverständlich Unterstützung und Gesellschaft angeboten (und ihm gleichzeitig gesagt, er solle mir bitte Bescheid geben, sollte ich mich in Zukunft komisch, überfürsorglich oder zu vorsichtig ihm gegenüber verhalten), aber manchmal habe ich auch Selbstzweifel, da ich bisher in meinem Leben nicht immer alles perfekt gemacht habe und jetzt an einem Punkt stehe, an dem ich mit einiger Verspätung Dinge regeln muss, um die ich mich schon viel früher hätte kümmern müssen. Das und verschiedene frustrierende und lange aufgeschobene zwischenmenschliche Auseinandersetzungen drohen mir manchmal über den Kopf zu wachsen und des ist irgendwie beruhigend, dass ein Mensch aus dem näheren Umfeld, vor dem man Achtung hat und der scheinbar alles unter einen Hut bekommt, ähnliche Probleme hat (wobei ich meine Situation keinesfalls mit einer klinischen Depression gleichsetzen will). Mich würden eure Gedanken dazu interessieren.

    Haha, ich weiß genau, was du meinst ^^ . Aber eigentlich will man sich nur damit gut fühlen. Die Sache mit dem Aufschieben von Sachen kenne ich auch sehr gut. Gut, du bist fast doppelt so alt wie ich, deswegen kann ich dir in der Hinsicht nicht viel sagen, außer, dass du damit aufhören sollst. Man schafft sich dadurch einen kleinen Berg aus Stress, den man absolut nicht gebrauchen kann. Ich denke aber, dass es durchaus helfen kann, wenn man mit sich selbst im Reinen ist. Half mir, jedenfalls.

  • Ich schätze das wird eine wand an text werden (scheiss auf englisch gerade xD)..


    Ich hatte Jahre lang schwere Depressionen, ständig schlechte Laune, stimmungsschwankungen, kein selbstwert gefühl und starke Antriebslosigkeit, eher ausgelöst an meinem Umfeld und der nicht vorhandenen Gabe damit umzugehen..
    Angefangen hat es schätze ich in der Schule, nicht durch Mobbing, eher dadurch das mir viele nicht zuhörten.
    Ich hatte einfach nie wirklich etwas zu erzählen und wenn ich etwas erzählen wollte, dann haben viele schnell das interesse verloren, mit anderen angefangen zu reden etc., dass endete dann darin das ich schnell gesprochen habe und ich dadurch oft lispelte, nuschelte oder ein wort mir nicht mehr einfiel. Das habe ich bis heute teilweise mit dem vergessen von wörtern im Satz etc. beibehalten.
    Das ich nur mit Leuten reden kann, mit denen ich ein Interesse/Hobby teile ist bei mir auch stark ausgeprägt da ich schnell das Gefühl bekomme das es niemanden Interessiert wenn ich Geschichten aus meinem Leben teile oder allgemein rede..


    Den tiefsten Fall hatte ich aber mit 13 Jahren als ich an Loikämie erkrankte und knapp 3 Jahre meines Lebens im Krankenhaus mit zwei Chemos verschwenden musste, damals war das surreal und ich kann mich auch kaum an die Zeit erinnern, ich weiss nur das ich in der zweiten Chemo komplett alleine war weil meine Mutter das nicht mehr stemmen konnte, ich mach ihr keinen Vorwurf.
    Ich habe viele Menschen gehen sehen weil sie nicht sehen konnten/wollten wie ich dahin vegetiert oder ich mich einfach nicht mehr melden konnte.
    In der Zeit habe ich mich viel mit dem sterben auseinander setzen müssen, schliesslich wurde mir einmal gesagt das ich vielleicht gut 6 Monate habe.
    Ich wollte nicht sterben, der Reiz der Welt war doch noch unwiederstehlich und sei es auch nur um irgendein neues Spiel zu spielen, neue Bücher zu entdecken oder.. naja.. für eine Frau da zu sein in der ich mich verliebt habe.


    Die sache mit dem Krebs ist ein Ding, als würde ich eine Geschichte von einem Buch erzählen, als wäre es ein anderes ich bei dem meine Gefühle nicht mehr greifen, aber die Geschichte mit meiner Ex Freundin..
    Da gibt es irgendwie vieles lustige und traurige zu erzählen, zum beispiel das sie eine katholisch relativ strenge Familie hatte und ich einst mit ihrer Mutter nach ihrer outung telefonieren musste.. ja.. im nachhinein waren fragen wie "Wenn sie ein Mann wäre, würdest du sie dann auch lieben" ziemlich amüsant. ^^
    Aber sie litt an starke Depressionen, war zweimal in der Psychatrie und einmal war sie komplett ausgeflippt und ritzte sich mehr oder minder vor meinen Augen.
    Später fand ich heraus das es wegen meiner Krankheit war, das es sie alles überforderte, das ich sie überforderte und ich teil ihrer Narben bin..
    Ich war jung und mit allem überfordert, vorallem später aber dann mit meiner Familie.


    Mein Bruder hat mich geschlagen wodurch ich ein Loch im Trommelfell hatte und bis heute knapp 60% auf einem Ohr weniger höre.. meine Mutter meinte zeitweise (durch überforderung) das ich ihr grösster fehler war und sie sich für mich schämt (mittlerweile verstehe ich mich mit meiner Mutter wieder ziemlich gut.) und ihr neuer Freund hat wahren Psycho Terror begangen, er hasste mich, unterstütze meinen Bruder in seiner "wahnvorstellung" das er recht getan hätte mich zu schlagen, schliesslich wäre dann nie heraus gekomme das ich ein Loch im Trommelfell habe.. paradox? ein wenig vielleicht. n.n


    Wirklich unschuldig war ich nicht, letzendlich vielleicht aber misverstanden, schliesslich wollte ich eigentlich nur an meinem 16ten Geburtstag mit Freunden feiern und mich nach all dem Krankenhaus scheiss frei fühlen also hab ich mir kurzerhand ein Iro geschnitten und ein Wochenende gefeiert. Übertrieben? Jup, aber nicht die reaktion wert die ich bekommen habe, nämlich Hass durch meine Familie.


    nachdem ich letztes Jahr.. vergewaltigt wurde, war meine Freundin noch zwei Wochen zu Besuch, danach verschwand sie, hat sich nie wieder gemeldet, nach vier Jahren Beziehung.
    Ich war meist keine heilige, kam mit nichts klar und zweifelte an mich und alles um mich herum, die depression spiegelte sich in gesprächen ab, versuchte jemaden zu finden der mir zuhört, aber vielen ist es einfach ZUVIEL, sie leben ihr eigenes leben, haben ihre eigenen Probleme und mit einem schwer depressiven Menschen zu reden ist meist.. naja.. gegen eine Wand reden. Es ist repetetiv und eigentlich weiss man nicht wie man jemanden helfen kann. Das einzige was mich aus der Spirale genommen hat waren keine unendlichen Gespräche über die Vergangenheit, sondern ein guter Freund der mich aus Deutschland holte und mir ein Job in Lissabon beschaffte und eine Unterkunft in seiner WG.
    Weit weg von meiner Vergangenheit.
    Danach war ich nicht plötzlich ein anderer Mensch, anfangs schien alles wie beim alten, eigentlich war ich fast verzweifelter, aber irgendwie habe ich gelernt mich auf kleine Dinge zu freuen, mich ständig zu beschäftigen und vorallem arbeiten zu gehen lenkt von zuviel nachdenken ab, schlechtes, depressives nachdenken.
    Aber ich denke es ist wichtig sich klar zu machen das man immer die wahl hat.
    Wenn irgendwas einem nicht gefällt dann verpisst euch von dem Ort, dem Menschen oder sonst was, veränderungen machen ein angst, klar, aber danach ist es besser und leichter. Einfach gesagt, schwer umgesetzt, aber sicherlich gibt es immer einen Menschen der helfen kann.
    Das einzige was ich sagen kann, die gängen Sprüche von wegen "du bist deines Glückes eigener Schmied".. oder das man nicht an seiner Vergangenheit hängen bleiben sollte, leider stimmen sie, auch wenn man sie nur genervt abnickt.

  • Naja, es gibt tage an denen ich zurück denke, an denen ich traurig bin oder flashbacks habe.
    Schließlich habe ich es "nur" verdrängt. versucht es als anderes Leben zu betrachten, als hätte jemand anderes es erlebt, nur das ich den schmerz dieses menschen fühle und ich mir oft denke "warum zur Hölle hast du all diesen scheiß getan, warum nicht früher dich 'zusammen gerissen' "
    Aber am Ende des Tages kann ich es nicht ändern, es gibt keine magische Zeitmaschine mit der ich mit meinen jetzigen Erfahrungen, mit meinem jetzigen wissen zurück kann und es besser machen kann.. vielleicht ist es das was die meisten verrückt werden lässt, das man es hätte besser wissen müssen..
    aber man weiss es jetzt besser und sei es das man nochmal auf die schnauze fliegt, solange man versucht es dann wenigstens beim nächsten oder übernächsten mal besser zu machen.
    Ich schätze es ist essentiell manchmal einen halt zu machen und traurig zu sein, zurück zu blicken um nach vorne zu schauen.


    Und Thema Tabletten.. meine Ex war unter Anti Depressiva.. danach war sie zwar glücklich aber sie konnte nie sagen weswegen, war immer ziemlich früh schlafen, es gab keinen moment an dem sie nicht fröhlich war oder wenigstens gelächelt hat.. hört sich super an? Davor hatten wir Gespräche über Gott und die Welt geführt, konnten über alles reden. Das Zeug hat ihr eine Maske aufgelegt und sobald sie diese abgelegt hatte ist sie durchgedreht, hat die ganze Nacht geschrien und wollte sich umbringen, nein, davor war sie nicht so sondern manchmal verstimmt, schlecht gelaunt.. aber keine verrückte die nur mit einem Medikament am Leben gehalten werden konnte.
    Bitte entscheidet so etwas für euch selbst, aber denkt nicht das eine Tablette euer Leben retten kann, das könnt nur ihr mit Hilfe von Menschen denen ihr vertraut und wenn ihr jemanden nicht vertraut dann versucht sie aus tiefen, wirklich tiefen Gesprächen fern zu halten, das schreckt viele nur ab.
    Ich will mich da aber auch nicht in anderer Leben einmischen, ich schätze vielen hat es sicherlich davon abgehalten komplett aufzuhören.

  • Wow, @Renusch. Wenn ich solche Geschichten lese, kommen mir meine eigenen 'Probleme' so unbedeutend vor. Wirklich unfassbar was du durchmachen musstest.


    Ich wünsche dir nur das Beste und viel Kraft für deinen weiteren Lebensweg.

  • Ich selber hatte auch viele Probleme, aber so richtig los ging es in der siebten Klasse, als ich auf Gymnasium versetzt wurde. Der Schulwechsel hatte zur Folge, dass ich natürlich nicht mehr wirklich zu meinem alten Freundeskreis gehörte und in der neuen Klasse war die Art miteinander umzugehen wirklich extrem unschön, dazu war einer meiner Nebensitzer ein ziemlich großes Arschloch (zum Glück saß er nicht in allen Fächern neben mir). Heutzutage würde ich mit sowas locker klar kommen, damals hatte ich damit aber deutlich große Probleme was darin resultierte, dass ich an einem Schultag zu einer Brücke gegangen bin, um mich dann von dieser herunter zu stürzen, aber ich bin danach (bzw. davor) zur Schulleitung und habe die Klasse gewechselt. Der Rest der siebten Klasse verlief dann zum Glück vergleichsweise friedlich, vor allem weil ich während dieser dann in Gesprächstherapie war.
    Neue Klasse neues Glück hieß es dann in der achten Klasse wo ich dann auch ganz gut zurecht kam, dann aber nach zwei Monaten habe eine derart dumme Aktion bei meinem Schwarm abgezogen, dass ich mich heutzutage immer noch dafür hasse (jedoch deutlich schwächer), resultierte in einem Suizidversuch und Suizidgedanken die sich vor allem dadurch gehalten haben, dass ich immer wieder meinen Selbsthass geschürt habe, keine richtige "peer group" hatte und später auch starke Zukunftsängste dazu kamen (das übliche Zeug und vor allem das ganze Klimawandel Zeug und die vielen rechten Aufschwünge). Aufgehört haben die Selbstmordgedanken dann gegen Mai 2016 (zehnte Klasse), allerdings haben diese davor schon langsam abgenommen.
    Aber kaum ging es mir wieder gut, hatte ich Plötzlich einen extrem schlechten Tag, weil jemand einen Trigger aus meiner Kindheit (ich hatte damals oft mit Rassismus von älteren Schülern zu kämpfen) getroffen hat, wodurch für mich dann auch der Rest der Woche erstmal ruiniert war.
    Seit August bin ich sehr aktiv im TS und jetzt geht es mir eigentlich sehr gut (so lange ich im Moment lebe), ist natürlich auch vielen anderen Faktoren zu verdanken, aber die tolle Hooked-Community hat da eine nicht gerade unwesentliche Rolle gespielt hat hkdLove .


    Ich möchte auch nochmal betonen, dass eure Probleme keinesfalls irrelevant oder unberechtigt sind, nur weil anderen Personen schlimmere Dinge widerfahren sind.