[Umfrage] Psychische Krankheiten

  • Hat/hatte hier jemand Erfahrung mit psychischen Krankheiten? 35

    Das Ergebnis ist nur für Teilnehmer sichtbar.

    Um das mal kurz in Kontext zu setzen: Gefühlt hat so so ziemlich jede Person, der ich über den Weg laufe irgendwie schon Erfahrungen mit psychischen Krankheiten (vor allem Depressionen) gesammelt. Mich stört es aktiv, zu wissen, dass so viele Menschen aktiv darunter leiden. Daher interessiert es mich einfach generell, wie es denn wirklich aussieht und da hier ja sehr viele verschiedene Menschen sind und es mir so vorkommt, dass die Hooked Community recht offen ist, ist hier ein halbwegs geeigneter Ort für eine solche Umfrage.
    Selbstverständlich ist die Umfrage anonym.
    Ich entschuldige mich schonmal im Vorraus für meine grammatikalischen Verbrechen.

  • Aktuell habe ich sowas nicht und hatte es auch nie über einen sehr langen Zeitraum. Vielleicht so kleinere Eigenheiten, die aber nicht unbedingt als "Krankheit" eingestuft werden.


    Allerdings war ich mal nah der Grenze zur Depression, für ca 3~4 Monate. Eventuell bekamen das auch einige hier mit. Das war auch Grund für meine Inaktivität hier Anfang des Jahres. Grund waren viele Dinge die aufeinander prallten. Geldnot, Arbeitslos, cholerischen Alkoholiker-Dad der einen rauswerfen will, Stress mit guten Freunden, gebrochenes Herz.


    Lediglich Games und ein paar Freunde (auch Leute von hier) hielten mich davon ab total abzusinken. Meine Noten in der Berufsschule zu dem Zeitpunkt waren dennoch scheiße, aber ich war wenigstens großteils noch dort.


    Eine (ehemalige) Freundin muss immer alles prüfen (Elektronik, Herd, Wasserhahn, Tür geschlossen) was sie teilweise 30-60 Minuten aufhält und sie dadurch regelmäßig zu spät kommt. Die wird aber bald diesbezüglich behandelt.

  • Ich habe tatsächlich eine Freundin, die schon mit Depressionen zu kämpfen hatte, wodurch sich auch bei ihr der Ausbildungsabschluss verzögert hat. Wir hatten uns zu diesem Zeitpunkt aber schon ein wenig auseinandergelebt, was allerdings nicht an ihrer Depression lag, sondern viel mehr an den unterschiedlichen Interessen. Während der Zeit und auch danach hatte ich aber hin und wieder Kontakt mit ihr. Allerdings wollte ich sie nie direkt auf das Thema ansprechen, weil ich selbst nicht weiß, wie ich damit elegant umgehen soll.


    Hinzukommt noch eine ehemalige Arbeitskollegin, die durch den Job in eine (leichte?) Depression gefallen ist. Zumindest kam hier auch der oft belächelte Burnout zum Tragen, der sie tatsächlich für mehrere Wochen arbeitsunfähig machte. Ich hatte das zu diesem Zeitpunkt ebenfalls etwas belächelt, bis ich dann selbst aufgrund des Arbeitsumfeldes die Notbremse ziehen musste. Ich war sicherlich noch weit entfernt von einer Depression, dennoch kann auch der generelle Arbeitsstress ein Auslöser dessen sein.


    Dies ist natürlich jetzt nur mein oberflächlicher Senf dazu, aber generell interessiert mich das Thema sehr, da ich das Krankheitsbild auch nicht unterschätze.

  • Achja und mein ehemaliger Ausbilder hatte mal Burnout.


    Aber is ja irgendwie nix besonderes mehr heuzutage. Dachte aber ich werfe es dennoch mal in die Runde^^


    In der Masse gesehen sicherlich nicht. Dennoch würde ich das Thema Burnout auch nicht unterschätzen - denn nicht jeder zieht danach die Reißleine oder kommt aus dieser Lethargie so schnell wieder heraus.

  • Tja, was soll man sagen?
    Ich leide gerade unter Depressionen. Das mag für einige total schrecklich klingen, aber irgendwie habe ich das Gefühl Depressionen werden zur Allerweltskrankheit. Jeder kennt sie, jeder hatte sie und irgendwie ging es denen ja auch wieder gut. Das ist ein beschissener Gedankengang, weiß ich.
    Nah klar bekomme ich Panikattacken, Weinkrämpfe und fühle mich ständig nutzlos und ausgelaugt. Aber das hatte doch inzwischen jeder, ich sollte mich nicht beschweren. Einfach mal zusammenreißen, es gibt Leute mit richtigen Problemen.
    Genau aus diesem Grund habe ich Jahre gewartet bis ich eine Behandlung gesucht habe. Dadurch das man mir immer gesagt hat wie "normal" psychische Krankheiten sind und das man einfach zum Arzt gehen kann hatte ich immer mehr das Gefühl es wäre trivial. Ich gehe ja auch nich für jeden Schnupfen zum Arzt.
    Denn eigentlich geht es mir gut. Meine Familie ist super, ich bin in einer festen Beziehung, ich habe einen aktiven Freundeskreis, etc. Also kann ich ja nicht hingehen und mich beschweren wie schlecht es mir geht. Das wäre nur Aufmerksamkeit haben wollen.
    Da ist auch dieser eine Punkt, es muss nicht immer einen Auslöser geben. Klar, einige fiese Ereignisse können Depressionen auslösen, aber manchmal hat man alles und ist doch nicht glücklich. Das hat mich viel zu lange abgefucked, bis ich praktisch zum Therapeuten geschleift wurde.
    Übrigens, einen Therapeuten zu finden macht hier in Deutschland echt Spaß. Ist wie ein Termin beim Facharzt, entweder du bist Privatpatient oder hast mal 3 Monate Zeit. Mindestens. Bei Suizidgefahr kommst du vielleicht auf die Notaufnahme, zusammen mit Menschen die noch kaputter sind als du. Das ist mir glücklicherweise erspart geblieben.


    Das war jetzt etwas viel Ramling über Depressionen. Das sind meine Erfahrungen damit, jeder wird damit anders umgehen und es anders empfinden. Liegt in der Natur der Sache.


    tl;dr: Depressionen sind kacke.

  • [...]


    Ich leide gerade unter Depressionen. Das mag für einige total schrecklich klingen, aber irgendwie habe ich das Gefühl Depressionen werden zur Allerweltskrankheit. Jeder kennt sie, jeder hatte sie und irgendwie ging es denen ja auch wieder gut. Das ist ein beschissener Gedankengang, weiß ich.


    [...]


    Ich habe nicht das Gefühl, dass eine (tiefe) Depression eine Allerweltskrankheit ist, eventuell sind die Ärzte mit der Diagnose Depression auch einfach zu voreilig mittlerweile. Mir selbst wollte meine Ärztin nach meiner "Notbremse" damals Antidepressiva andrehen, das hielt ich in meinem Fall aber für völlig überzogen und diente eventuell nur dazu, irgendwelche Provisionen von Medikamentenherstellern einzustreichen ._.


    Auch gibt es sicherlich Menschen, die jede "Downphase" mit einer Depression gleichsetzen, was die Krankheit leider auch sehr abwertet.

  • Ich habe nicht das Gefühl, dass eine (tiefe) Depression eine Allerweltskrankheit ist, eventuell sind die Ärzte mit der Diagnose Depression auch einfach zu voreilig mittlerweile. Mir selbst wollte meine Ärztin nach meiner "Notbremse" damals Antidepressiva andrehen, das hielt ich in meinem Fall aber für völlig überzogen und diente eventuell nur dazu, irgendwelche Provisionen von Medikamentenherstellern einzustreichen ._.


    Auch gibt es sicherlich Menschen, die jede "Downphase" mit einer Depression gleichsetzen, was die Krankheit leider auch sehr abwertet.

    Mein Arzt wollte mir nicht einmal eine Überweisung zu einem Psychotherapeuten geben.... Kommt wohl immer darauf an wenn man vor sich hat. Ich will auch niemandem etwas vorwerfen, Hausärzte sind keine Allwissenden, gerade psychologische Probleme brauchen ein gewisses Feingefühl. Ich wirke auf viele Menschen sehr anders als ich eigentlich bin, die wenigsten Menschen haben mir sofort geglaubt das ich depressiv bin. (Naja, die Therapeuten bei denen ich war schon, aber das ist ihr Job. DIe stellen auch die richtigen Fragen.)
    Was Psychopharmaka angeht bin ich sehr, sehr skeptisch. Ich würde gerne die wenigste Menge an Drogen nehmen müssen wie nur irgend möglich. Auch dem ist sich jeder selbst überlassen, aber solche Dinge sollten meiner Meinung nach erst nach wirklich eingehender Therapie verschrieben werden dürfen.


    Was deinen letzten Punkt angeht... ich weiß nicht. Ich kann mir sowas nicht vorstellen, habe mir selbst schließlich lange eingeredet ich wäre halt nur mies drauf. Man darf ja gerne depressive Phasen haben oder sagen das man sich depressiv fühlt, man muss sich nur bewust sein was das für andere Menschen bedeutet. Aber, und das ist schon ziemlich wichtig, eine Depression ist eine Krankheit. EIne behandelbare und diagonstizierbare Krankheit. Warum ist das wichtig? Nun...Beispiel:


    Ich kann schwer schlucken, mein Hals fühlt sich rauh an. Muss eine Mandelentzündung sein.
    Ich bin schlecht drauf und traurig. Muss eine Depression sein.


    In Zeiten von Dr. med. Google kommt sowas leider verdammt häufig vor. Beide Fälle. Warum also haben wir überhaupt Ärzte? Selber Diagnose stellen und die Meds direkt bei Amazon holen, das funktioniert genausogut. Ich denke wir sehen alle ein was hier falsch läuft.
    Was ich sagen will: Wenn du das Gefühl hast krank zu sein, geh zum Arzt. Der wird schon rausfinden was du hast und dir mitteilen was dagegen zu tun ist. Depressionen sind kein Schnupfen den man selber behandeln kann. Schlecht drauf sein schon.


    Es liegt den meisten Leuten fern eine Depression abzuwerten auch wenn sie ihr Problem so nennen, es liegt einfach an dieser Art und Weise wie man mit Krankheiten heutzutage umgeht. Nicht erst zum Arzt, erst zu Google und dann mit der fertigen Diagnose zum Arzt. Wie viele und welche Pillen man braucht hat man auch vorher rausgesucht. Da hat nämlich irgendjemand, irgendwann mal gesagt welche die Besten sind. Diese Meinung ist natürlich wesentlich informierter als die vom Hausarzt.

  • Auch gibt es sicherlich Menschen, die jede "Downphase" mit einer Depression gleichsetzen, was die Krankheit leider auch sehr abwertet.

    Das ist tatsächlich ein Problem, welches mich stark betroffen hat, weil ich wegen genau diesem Gedanken zwei teilweise sehr schlimme Jahre recht oft dachte "das ist ja nicht so schlimm, das ist nur 'ne Phase" und deshalb nie wirklich dachte, dass ich Hilfe brauche, bis irgendwann mal eine Klassenkameradin auf meine Probleme aufmerksam geworden ist und mir dann irgendwann gesagt hat "Jan, du willst dich umbringen, du bist auf jeden Fall depressiv".
    Ist jetzt ein sehr spezielles Bespiel, aber ich glaube es kommt durch was gemeint ist.

  • Das ist tatsächlich ein Problem, welches mich stark betroffen hat, weil ich wegen genau diesem Gedanken zwei teilweise sehr schlimme Jahre recht oft dachte "das ist ja nicht so schlimm, das ist nur 'ne Phase" und deshalb nie wirklich dachte, dass ich Hilfe brauche, bis irgendwann mal eine Klassenkameradin auf meine Probleme aufmerksam geworden ist und mir dann irgendwann gesagt hat "Jan, du willst dich umbringen, du bist auf jeden Fall depressiv".Ist jetzt ein sehr spezielles Bespiel, aber ich glaube es kommt durch was gemeint ist.

    Das ist das, was mich dann so ärgert. Im Umfeld habe ich dies leider schon oft erlebt, dass Depressionen nicht wirklich ernst genommen werden, nach dem Motto: "Das ist auch so eine Modekrankheit", da es eben viele für sich beanspruchen, egal ob sie darunter leiden oder nicht.


    Leidet dann aber wirklich jemand im Umkreis darunter, wertet der Betroffene es womöglich selbst noch ab ._.


    Mittlerweile muss es auch seltsam sein, dass mich das hier so beschäftigt, obwohl ich selbst nicht davon betroffen bin. Aber aufgrund der Freundin und ehemaligen Arbeitskollegin bin ich wohl doch sehr hellhörig geworden was das Thema angeht :)

  • Im Umfeld habe ich dies leider schon oft erlebt, dass Depressionen nicht wirklich ernst genommen werden, nach dem Motto: "Das ist auch so eine Modekrankheit", da es eben viele für sich beanspruchen, egal ob sie darunter leiden oder nicht.

    Und genau deswegen hasse ich unsere Gesellschaft, anstatt die Person erstmal zu Unterstützen wird erstmal vorgeworfen "das ist doch gar nicht echt".

  • Und genau deswegen hasse ich unsere Gesellschaft, anstatt die Person erstmal zu Unterstützen wird erstmal vorgeworfen "das ist doch gar nicht echt".

    Gibt aber auch die Gruppe von Menschen die ein Defizit in ihrer Aufmerksamkeit haben. Gibt da vor allem eine junge Dame die ich während meiner Schulzeit erlebt habe. Mindestens einmal die Woche musste sie Klassengespräch sein, mit Geschichten die beim ersten Mal Besorgnis erregen, aber so häufig und breit sie drüber erzählt hat schnell ins Unglaubwürdige abgedriftet sind. Hatte das Mädchen ein Problem? Jo, aber sicher keins mit Depression. Und nein, ich vermute nicht nur das sie Schwachsinn erzählt hat, ich weiß es. Man kann aber nicht pauschal sagen das jeder der sich aufdrängt nur Aufmerksamkeit will. Wie die Einzelperson mit ihren Problemen umgeht ist natürlich immer sehr unterschiedlich.


    Mir hat glücklicherweise mein Umfeld geholfen was sehr verständnisvoll ist und sich um mich sorgt. Außer einem Arzt hatte ich damit eigentlich keine Probleme. Bestätigen kann ich aber dieses: "Das ist nur eine Phase. Krieg halt einfach deinen Arsch hoch, das wird schon." Das sind Gedanken die man hat, aber so geht es leider nicht.


    Ich verurteile niemandem dafür, wenn er sich nicht um andere Menschen kümmern will. Niemand will hören das der beste Freund depressiv ist, deshalb ist er es auch nicht. Jeder von uns hat eigene Probleme, man muss sich nicht um die von Anderen kümmern. Das klingt arschig und egoistisch, aber so läuft es einfach. Hilfe und Verständnis sind keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Tugend. Ich bin jedem unendlich dankbar für die Hilfe die ich bekomme und bekommen habe, aber ich habe nichts gegen die Leute denen ich egal war. Klar wäre es schön wenn man von Allen immer Hilfe kriegt, aber manchmal müssen es nur die richtigen, wichtigen Leute sein. Wie finde ich heraus ob jemand für mich richtig ist? Ganz einfach: Diese Leute helfen mir und vertrauen mir. Aber ich muss mir dieses Vertrauen verdienen, wenn ich Leute belüge damit sie mir Aufmerksamkeit schenken, dann muss ich mich nicht wundern wenn mir irgendwann keiner mehr zuhört. Wer einmal lügt...undsoweiter

  • Ich versuche mal diese Zitate abzuarbeiten.


    1. Tut mir echt Leid für dich, Depressionen sind für alle, dich und deine Mitmenschen, unangenehm. Eine Freundin, die ich seit einem Monat kennengelernt habe, hat auch Depressionen, und das anscheinend schon mehrere Jahre. Bei ihr lag es am Elternhaus, ihrem Selbstwertgefühl und nicht richtig verarbeitetem Schmerz. Es können auch noch mehr Dinge sein, die ich nicht weiß. Ja, jeder kennt Depressionen, das sieht man ja an der Umfrage. Ich hatte noch nie eine Depression, nur Selbstzweifel, aber dazu komme ich noch. Ich bin mir nicht sicher, ob es jedem danach gut geht, der es anscheinend geschafft hat, sowas sitzt tief, das lässt man nicht so offensichtlich erscheinen.


    2. Meiner Meinung nach ist Depression ein ernstes Problem. Sowas kann ziemlich viel im Leben versauen.


    3. Über Depressionen beschwert man sich glaube ich auch nicht. Aber ich glaube, dass ich das ein bisschen nachfühlen kann. Vor all zu kurzer Zeit, hatte ich ziemliche Selbstzweifel. Ich habe mich für ultimativ wertlos gehalten. Ich dachte, dass ich nichts im Leben erreichen werde, dass all was ich besitze komplett an mir verschwendet worden ist. All meine Mitmenschen machen ihre Hobbys mit einer Hingabe, von der ich nur träumen konnte, weil ich mir nie gut genug war. Ich spiele zu schlecht E-Gitarre, ich bin ein Versager am Keyboard und habe noch keine Erfolge in letzter Zeit feiern dürfen. Und doch habe ich gute Freunde, eine bis jetzt fröhliche Kindheit, okaye Noten und ein super Leben. Ich habe mich selbst unter meinen Zielen und Träumen klein gemacht. Doch irgendwann habe ich gemerkt, dass ich erst 15 bin. Ich bin noch jung, ich muss noch nicht sterben und noch nichts zurücklassen. Diese Instrumente sind nichts wovor ich Angst haben muss. All das, was sie tun, ist, mir zu helfen, mich gut zu fühlen. Ich kann anderen Menschen helfen, mit meiner netten Art ihr Leben leichter zu machen, und sollte es nur für diesen Moment sein. Es ist wie beim Sport, Ergebnisse kommen über die Zeit. Was mir geholfen hat, durch diese Phase, von wahrscheinlich noch so vielen, durchzukommen, war, ehrlich zu mir selbst zu sein.


    Ich hoffe für dich, dass du nur solche Selbstzweifel hast, wie ich sie hatte. Ansonsten rede viel mit deinen Mitmenschen. Ihnen dir helfen zu lassen, nimmt ihnen auch die Last von den Schultern. Wenn sie dich mögen, wird sie das bestimmt auch die ganze Zeit beschäftigen, dass du Depressionen hast. Egal was sein mag, viel Glück. :-)

  • Ich leide unter Boreout, sprich dem Gegenteilvon Burnout was im Prinzip bedeutet, dass ich mich fast die ganze Zeit unterfordert fühle.
    Was für viele klingt nach "Boah arrogantes Arrschloch" (was total arrogant und empathielos ist) ist tatsächlich relativ ernst zu nehmen.


    Wie einige wisssen bin ich hochbegabt, Hochbegabung wirkt sich dabei ganz unterschiedlich auf die unterschiedlichen Menschen aus. Bei mir ist eine Folge der Hochbegabung, dass ich mich konsequent unterfordert fühle. Das ist einerseits in der Schule so, wo mich keine Aufgabe wirklich fordert. Damit es etwas erträglich dort für mich wird und ich ohne hin immer vorraus bin, krieg ich dort schon Themen die für gewöhnlich erst im Studium behandelt werden. Wirklich spaß macht dabei aber für mich nur weniges. In Sport hab ich einigermaßen Spaß weil ich mich dort austoben kann und Geographie wie Biologie sind die beiden Fächer die ich gerne mache. Ansonsten langweilt mich alles und teilweise ist es an der Grenze zur unerträglichkeit.
    Dann kommt dazu, dass mich das reale Leben auch mal ziemlich schnell nerven kann. Ich denke immer maximal effizient. Das heißt ich versuche in möglichster kurzer Zeit so viel wie zu machen wie schnell es geht. Das funktioniert wenn ich alles alleine mache wunderbar sobald aber Fremdeinflüsse reinkommen und diese alles schwieriger machen und in die Länge ziehen, dann bin ich halt auch gene mal genervt für den Moment, auch wenn ich dann teilweise später über das passierte lachen kann was mich in den Moment aber einfach nicht interessiert.


    Das ganze zeigt sich bei mir in regelmäßigen Krankheitserscheinungne wie Kopfschmerzen, Magenbeschwerden oder auch in unregelmäßigen Fällen durch Schlaflosigkeit.


    Bzgl. meines Boreouts gehe ich regelmäßig zum Psychologen, unter ärztlicher Behandlung steh ich eh aufgrund meines Herzens, da checkt man meinen körperlichen Zustand halt im allgemeinen einfach mit ab. Suizidgefahr oder andere schlimme Gefahren bestehen nicht, Medikamente lehne ich für meinen Fall grundsätzlich ab.


    Das einzige was mich in meinem Leben eigentlich wirklich fordert, sind Videospiele. Einerseits spielt es sicherlich eine Rolle, dass mir Videospiele Spaß mach aber andererseits kann man im Videospielen immer besser werden und man kann irgendwie immer an sich arbeiten.

  • Ich leide unter Boreout, sprich dem Gegenteilvon Burnout was im Prinzip bedeutet, dass ich mich fast die ganze Zeit unterfordert fühle.


    [...]


    Wobei ein Burnout nicht immer gleichzusetzen ist mit der Überforderung was Arbeitsaufgaben angeht, sondern auch durch das generelle Arbeitsumfeld ausgelöst werden kann. Sei es durch die Kollegen, mit den es sich nicht vernünftig arbeiten lässt oder der Kunde der seinen Frust einfach an der falschen Stelle ablässt. Das klingt jetzt banal, zerrt aber ab einen gewissen Maße gleichermaßen an der Seele.

  • Ich bin derzeit damit beschäftigt ein Termin bei einem Therapeuten zu ergattern, eine Überweisung habe ich auch schon bekommen, aber die ist mitlerweile schon abgelaufen :/
    Hauptsächlich habe ich mir diese geholt, weil ich seit circa einem Jahr einen (zum Glück noch recht leisen) Tinnitus habe, und seit etwa 3 Jahren alle paar Monate von einer unglaublichen Leere und Unzufriedenheit geplagt werde. Beim letzten Mal ging es dann soweit mit meinen negativen Gefühlen dass ich mir dachte "Du schaffst das nicht alleine; du brauchst professionelle Hilfe!"


    Davon abgesehen ist es wirklich nicht einfach eine solche Überweisung von einem Arzt zu bekommen: Mein Arzt hat mir diese erst nicht überreichen wollen mit der Begründung: "Ich habe manchmal auch keine Lust zu arbeiten, aber da muss man halt durch!"
    Und meine Schwester welche mit ihren Depressionen später in einer Tagesklinik behandelt wurde, hat erst auch keine bekommen.
    Der erste Arzt bei dem sie war meinte vom Sinn her sowas wie "Stell dich mal nicht so an."
    Da gibt es noch mehr Geschichten dieser Art, aber sicher gibt es auch Ärzte die das ganze ein wenig feinfühliger und verständnisvoller angehen.


    Momentan habe ich zum Glück aber eine Phase in der es mir wieder besser geht, aber wer weiß wie lange das noch dauert? Und bis dahin hätte ich schon gerne wenigstens ein Termin mit einem Therapeuten vereinbart...

  • Ich finde das liegt dann auf jeden Fall an dem Arzt, dem man gegenüber sitzt. Ich habe letztes Jahr nen ziemlichen Schub an Depressionen bekommen, aufgrund eines Ereignisses, das schon 2 Jahre vorher passiert ist, aber mir im Nachhinein ehr zugesetzt hatte, als ich mir eingestehen wollte. PTSD triffts wohl. Bin dann 3 Wochen nacheinander zum Arzt, hab mich immer wieder krankschreiben lassen, für einen ausgedachten Grund, beim vierten Mal, hab ich meiner Ärztin gestanden, dass ich mir die Gründe nur ausgedacht habe, weil ich es morgens einfach nicht hinbekomme aufzustehen. Ich bin wach, liege im Bett, steh auf, mach mich fertig für die Schule und dann... Ja dann nichts. Ich kriegs nicht hin aus dem Haus zu gehen.
    Genau das hab ich ihr erzählt, dann fragte sie mich direkt, ob es etwas gibt, was mir psychisch Probleme macht. Dann hab ich ihr das auch direkt erzählt, weil ich damit wohl relativ offen umgehen kann, wenn jemand danach fragt. Und schwupp, Überweisung für eine Tagesklinik und eine Neurologie bekommen.
    Nach 2 Wochen hab ichs dann hingekriegt anzurufen ._."
    Das lief eigentlich alles ganz gut, leider war mein letztes Jahr an der Schule durch die Fehlstunden ziemlich im Arsch, aber wenigstens gehts wieder besser. ^^
    Ich denke mal, man kann bei ner Tagesklinik auch einfach so anrufen. Schildert dort, was man hat, wieso man sich scheisse fühlt und dann versuchen die auch dir zu helfen. Ansonsten ist das mit den Ärzten echt dumm :c

  • Beitrag von Sato ()

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  • Auch gibt es sicherlich Menschen, die jede "Downphase" mit einer Depression gleichsetzen, was die Krankheit leider auch sehr abwertet.

    Das ist tatsächlich ein Problem, welches mich stark betroffen hat, weil ich wegen genau diesem Gedanken zwei teilweise sehr schlimme Jahre recht oft dachte "das ist ja nicht so schlimm, das ist nur 'ne Phase" und deshalb nie wirklich dachte, dass ich Hilfe braucheIst jetzt ein sehr spezielles Bespiel, aber ich glaube es kommt durch was gemeint ist.

    Ging mir da mal sehr ähnlich, nur weiß ich bis heute nicht, ob das Depressionen waren damals, weil ich zu der Zeit dann auch so introvertiert war, dass ich niemals auf die Idee gekomnen wäre, mit irgendjemandem über meine Probleme zu reden. Und ganz bestimmt nicht mit einem Arzt. Jedenfalls hab ich manchmal das Gefühl, die Langzeitwirkungen dieser Zeit noch heute z.B. an meinem unglaublich hohen *husthust* Selbstwertgefühl zu merken.

  • Ein guter Freund meiner Freundin, den ich auch sehr gern habe, hat(te) Depressionen, war oder ist auch in Behandlung, kommt aber soweit ich weiß de Umständen entsprechend ganz gut klar. Es mag helfen, dass er beruflich stabil ist und seit kurzem eine Freundin hat.


    Außerdem hat mir ein sehr guter Freund vor ein paar Monaten erzählt, dass er wegen Depressionen in Behandlung ist. Er war wohl soweit, dass er sich selbst einweise wollte. Inzwischen bekommt er auch Medikamente, die ihm aber wohl ganz gut tun. Besonders blöd ist, dass dadurch seine Master-Arbeit erstmal auf Eis liegt. Ich war ziemlich schockiert, als er mir das erzählt hat (habe das aber glaube ich recht gut kaschiert), da er eigentlich immer sehr gefestigt in seinen Ansichten und generell gut in seinem Umfeld integriert gewirkt hat. Klar, ein bisschen negativ war er immer und auch immer etwas verschlossen. An eine Depression hätte ich bei ihm aber nie gedacht. Ein bisschen Pessimismus und social awkwardness schwingt ja auch bei mir selbst oft mit.


    Im "Vertrauen" - auf eine sehr merkwürdige Weise hat mich die Tatsache, dass er Depressionen hat und scheinbar nicht mit allem in seinem Leben klar kommt, auch beruhigt. Nicht, dass ich schadenfroh wär oder ihm Schlechtes wünschen würde. Im Gegenteil, ich habe ihm selbstverständlich Unterstützung und Gesellschaft angeboten (und ihm gleichzeitig gesagt, er solle mir bitte Bescheid geben, sollte ich mich in Zukunft komisch, überfürsorglich oder zu vorsichtig ihm gegenüber verhalten), aber manchmal habe ich auch Selbstzweifel, da ich bisher in meinem Leben nicht immer alles perfekt gemacht habe und jetzt an einem Punkt stehe, an dem ich mit einiger Verspätung Dinge regeln muss, um die ich mich schon viel früher hätte kümmern müssen. Das und verschiedene frustrierende und lange aufgeschobene zwischenmenschliche Auseinandersetzungen drohen mir manchmal über den Kopf zu wachsen und des ist irgendwie beruhigend, dass ein Mensch aus dem näheren Umfeld, vor dem man Achtung hat und der scheinbar alles unter einen Hut bekommt, ähnliche Probleme hat (wobei ich meine Situation keinesfalls mit einer klinischen Depression gleichsetzen will). Mich würden eure Gedanken dazu interessieren.